Am ersten Reisetag haben wir zum ersten Mal so richtig schoen Rueckenwind, was uns trotz spaeter Abreise und Herausfinden aus der Stadt ermoeglicht, fast 110 km zurueckzulegen.
| Das Glueck ist uns hold |
Die Landschaft ist abwechslungsreicher als vor Córdoba. Wie sich auf den Photos leicht erkennen laesst, ist auch unglaublich, wie sich das Landschaftsbild von Córdoba bis zu Termas de Rio Hondo veraendert. Wir sehen endlose Felder mit verschiedener Frucht bis die Vegetation schliesslich immer karger wird und schliesslich fast gaenzlich aus Strauechern, Graesern und Kakteen besteht. Zwischen Villa de Maria und Termas gibt es am Rande der Strasse viele Verkaufsstaende von Einheimischen. Sie bieten Figuren aus verholzten Kakteen, Teppiche, Holzkohle, Tierfelle, Voegel, Schildkroeten, Honig und anderes feil.
Wegen des kuehlen Windes sind wir froh um unser Windstopper-Equipment, mit dem wir uns heute richtiggehend einmummen.
Schon bald werden wir fuer unsere Anstrengung mit dem Ausblick auf die umliegende Landschaft belohnt. Die Strasse zieht sich wie eine vertikale Schlangenlinie durchs Gelaende und kann vielfach mit einem Blick bis an den Horizont verfolgt werden.
Bei der dritten Tagesetappe wissen wir schon zum Vornhinein, dass wir mit grosser Wahrscheinlichkeit die Nacht im Zelt verbringen werden. Wir bevorzugen beim Zelten ausserhalb von Campingplaetzen, Einheimische zu fragen, ob wir auf deren Land uebernachten koennen. Da diese meist auch einen Hund besitzen, ist man dadurch zusaetzlich noch etwas abgesichert. Als wir uns ausgangs San Juan kurz vor 18.00 entschliessen, noch etwas weiterzufahren, will der Folgeort Cerrito einfach nicht kommen. Nach schon fast 100km brettern wir angetrieben vom schwindenden Tageslicht mit 30 km/h ueber die Ruta 9. Wir halten schon Ausschau nach einem passenden Strauch, hinter welchem wir unser Zelt ungeachtet von den passierenden Fahrzeugen aufstellen koennten, als wir in weiter Ferne ein Licht erkennen, dass sich nicht zu bewegen scheint. Unendlich langsam kommen wir der Lichtquelle naeher und nach einigen Minuten fahren teilt sich das eine Licht auf in mehrere - rundherum ist der Himmel schon beinahe gaenzlich schwarz. Zu unserer Erleichterung haben wir einen Ort erreicht, sehen allerdings nirgens ein Schild "Cerrito".
Eingangs Ort fahren wir an einem Haus vorbei, an welches ein beleuchtetes Schild angebracht ist und vor dem zwei Maenner diskutieren. In der Hoffnung, es handle sich um etwas Offizielles, kehren wir um und ich spreche einen der Maenner an. Mittlerweile kann ich auf dem Schild das Wort "Policia" erkennen und der Mann outet sich trotz Strickpullover als Dorfpolizist. Auf unsere Frage hin nach einem Fleckchen Erde fuer unser Zelt, weist er auf den benachbarten Dorfplatz, neben welchem auch gleich sein Wohnhaus liegt. Vor einer Woche haette auch schon ein deutscher Velofahrer dort uebernachtet und vor einiger Zeit japanische Motorradfahrer.
| Zelten auf dem Dorfplatz |
Der Ort heisst uebrigens nicht wie gemaess Landkarte erwartet "Cerrito", sondern benannt nach dem entsprechenden Eisenbahnabschnitt "EL49". Cerrito liege an der alten Strasse, welche etwas weiter drueben verlaufe, verraet uns der Dorfpolizist.
Spaeter kommen noch Oscar und Luis vorbei, die uns anbieten, bei ihnen im Haus zu uebernachten. Sie stammen aus Santiago del Estero, sind nur temporaer fuer die Gemeinde EL49 taetig und haben dafuer ein Haeuschen zur Verfuegung gestellt bekommen. Da wir schon einige Zeit damit verbracht haben, unser Zelt auf dem steinigen Boden stabil zu errichten, lehnen wir das freundliche Angebot dankend ab. Neben einem kleinen Kaempfchen mit einem Strassenhund (bin froh um die Tollwutimpfung :-) ), der unbedingt unser Vorzelt betreten will, scheint der Ort wirklich so "tranquilo", wie ihn der Polizist angekuendigt hat.
| Abschied vom gastfreundlichen Dorfpolizisten |
Die Hunde bellen zwar fast die ganze Nacht und werden am Morgen von den kraehenden Haehnen abgeloest, doch haelt uns dies nicht nachhaltig von der noetigen Erholung ab.
Am naechsten Tag starten wir bei 6ºC, was allerdings nach dem Herauskriechen aus dem Daunenschlafsack nicht mehr wirklich ein Problem ist, hat man sich wie wir genuegend mit warmen Kleidern eingedeckt.
Trotzdem entscheiden wir uns, zuerst ein paar Kilometer zu fahren, um spaeter an der Waerme zu fruehstuecken. Nach 20km erscheint wie aus dem Nichts folgende Huette - kein Wunder heisst sie "Die Oase".
Da brauchen wir nicht lange zu ueberlegen und bestellen ein Fruehstueck. Das Restaurant wird von drei aelteren Damen gefuehrt. Frisch gestaerkt fahren wir weiter nach Loreto, einer kleinen Provinzstadt.
In Santiago del Estero angekommen schlendern wir durch die Stadt. Die Sehenswuerdigkeiten sind relativ duenn gesaet und etwa 70km nach Santiago del Estero liegt der argentinische Spa-Ort "Termas de Rio Hondo". Wir entscheiden wir uns deshalb, am naechsten Tag weiter zu fahren und die Ruhepause in Termas de Rio Hondo zu verbringen.
| Kirche in Santiago |
Am fruehen Nachmittag erreichen wir die Termas de Rio Hondo. Die Stadt ist nichts Besonderes und wirkt eher schaebig. Es hat jedoch 170 Hotels in allen Preisklassen und mit verschiedenster Ausstattung. In jedes dieser Hotels wird das warme Thermalwasser gepumpt. Nicht jedes Hotel hat einen Pool oder einen Spabereich, doch jedes Hotelzimmer hat mindestens so etwas wie eine Badewanne. So koennen die Gaeste privat ihr Thermalbad geniessen. In den Wintermonaten Juli bis August kuren in Termas de Rio Hondo vor allem aeltere Menschen mit Arthritis und Hautproblemen. Wir schauen uns Hotels in verschiedenen Preisklassen an - die Unterschiede sind gewaltig. Mit grossem Glueck finden wir ein preiswertes, sauberes Hotel mit Pool, Spabereich und einer zimmereigenen riesigen Sprudelbadewanne. Unser Badeszimmer ist sehr geraeumig. Wir geniessen diesen Luxus fuer 2 Tage und verwoehnen unsere Muskeln mit Thermalwasser und einer Massage. Am Morgen im Fruehstueckssaal muessen wir schmunzeln - wir waehnen uns in einem Altersheim.
| Zentraler Stadtplatz in Termas de Rio Hondo |
| Mittagessen zubereiten im Stadtpark neben unserem Hotel |
Nach zwei Tagen des Entspannens fuehrt die Fahrt weiter zur Stadt San Miguel de Tucuman. Als kleinste Provinz Argentiniens ist Tucuman flaechenmaessig etwa so gross wie die Schweiz. Es wird uns bewusst, wie gross Argentinien ist.
Kurz vor der Einfahrt in die Stadt muss ich unbedingt aufs Klo und steuere die naechste Tankstelle an. Als ich vom Klo komme, sehe ich Felix umringt von etwa zwei Dutzend RentnerInnen. Schmunzelnd trete ich zu ihm. Es ist eine Reisegruppe und sie sind begeistert von unserer Reise. Auch ich werde in Beschlag genommen und wir muessen fuer ein paar Gruppenfotos posieren.
In San Miguel de Tucuman finden wir innert kuerzester Zeit ein Hostel und beziehen ein nettes Zimmer mit Balkon. Als wir unsere Velos und Taschen schon raufgeschleppt haben und nach dem Schluessel fragen, heisst es, sie haetten keinen mehr. Die vorherigen Gaeste haetten den letzten Schluessel mitgenommen. Sie wuerden jedoch am naechsten Tag einen Schlosser kommen lassen. Wir sind empoert und glauben nicht, dass der Schlosser am naechsten Tag wirklich kommen wird. Im Hostel in Cordoba hatten wir auch drei Tage vergebens auf den versprochenen Klempner gewartet, der unseren Radiator flicken sollte. Als wir mit dem Auszug drohen, bietet uns der Hostelbesitzer jenes Zimmer an, welches wir vorher bei der Zimmerwahl wegen fehlendem Fenster verschmaeht hatten. Da wir nach 90km keine Lust verspueren, noch ein anderes Hostel zu suchen, lenken wir ein, verlangen jedoch eine Preisreduktion fuer diese Nacht. Wir tragen alle Sachen ins andere Zimmer und gehen duschen. Doch siehe da, waehrend ich schon am Duschen bin, teilt der Hostelbesitzer Felix mit, in unserem ersten Zimmer sei ein neues Schloss montiert. Wir tragen also unseren ganzen Plunder wieder nach oben.
Wir verbringen zwei Tage in San Miguel de Tucuman und nutzen diese vor allem fuer Erledigungen. Beispielsweise stocken wir unsere Vorraete auf, lassen unsere Kleider waschen und bringen unsere Velos wieder auf Vordermann. Nach 4000km ist eine gruendliche Reinigung angesagt. Wir lassen uns die Ketten austauschen und bei Katja's Velo eine berggaengigere Kassette montieren.
Hallo,
AntwortenLöschenHier sind Martin und Diana,
Wir haben auch grad unsere Blog aktualisiert und wollten mal schauen wo ihr so steckt. Wir sind ganz in der Nähe, kurz vor Tafi de Valle, wir fahren nach Salta über nen kleinen Umweg, die lezten 2 Wochen waren wir von Buenos Aires bis hierhin unterwegs. Ihr seit gerade in Tucuman ? Das sind nicht mal 150km von hier :) Vielleicht sieht man sich ja mal wieder, evtl in salta ?
Koennt euch ja mal melden :)