Wie bereits im vorherigen Bericht beschrieben ist das Tagesmenu in Bolivien sehr billig (Fr. 1.50) , doch auch eintoenig. Dazu gehoert fast stets Suppe, Reis, Poulet und Kartoffeln. Die Qualitaet des Essens behagt unseren Maegen nicht immer gleich gut. In kleinen Orten hat man jedoch keine Wahl, entweder man isst was auf den Tisch kommt oder man fastet. In Potosí hingegen finden wir unser neues Stammrestaurant, welches fuer Fr. 3.50 ein köstliches Viergang-Mittagsmenue anbietet (Salatbuffet, Suppe, Hauptgang und Dessert). Das Restaurant ist zudem sehr geschmackvoll eingerichtet. In unserem dreitaegigen Aufenthalt gehen wir jeden Mittag hin.
| Unser Stammrestaurant in Potosí |
| Dickschaedel am Pausieren |
Am naechsten Tag geht es Felix wieder besser, dafuer ist meine Motivation gleich null. Der Gegenwind blaest bereits fruehmorgens sehr stark und das Gelaende steigt steil an. Am liebsten wuerde ich zurueck nach Ventilla fahren und einen Bus nehmen. Als wir gerade eine Krisensitzung abhalten, gesellt sich ein Mann mit seinem Eingang-Fahrrad, welches er den Berg raufschiebt, zu uns. Ohne uns oder unsere momentanen Probleme genauer zu kennen, motiviert er uns fuer die Weiterfahrt. Es gehe nur noch ungefaehr 2.5km rauf. Die restliche Strecke nach Oruro sei aber flach oder teilweise sogar abfallend. Tatsaechlich wird das Gelaende flacher und so macht mir auch der Gegenwind weniger aus. Am Abend flacht der Wind ab und dreht, so dass wir sogar noch ein paar Kilometer Rueckenwind geniessen. Kurz vor Sonnenuntergang finden wir einen idyllischen Platz zum Zelten.
Die Nacht wird so kalt wie noch nie. Ausser den Nasenspitzen haben wir nicht mehr viel ausserhalb des Schlafsackes. Sogar der Inhalt der 2L-Petflasche im Innenzelt gefriert vollstaendig. Deshalb warten wir am naechsten Morgen bis die Sonne genug stark scheint, bevor wir uns aus dem Zelt steigen. Da es Felix's Magen noch immer nicht gaenzlich gut geht, setzen wir als Tagesziel nur den 30km entfernten Ort Callapata. Dort erwarten wir Unterkuenfte und damit die Moeglichkeit, fuer den Rest des Tages noch etwas zu rasten. Auf dem Weg nach Callapata passieren wir einen Salzsee, wo wir Flamingos sichten. Ich bin begeistert und froh, dass ich nach Ventilla nicht aufgegeben habe.
Die Landschaft ist nun topfeben - eben so, wie man sich ein Altiplano vorstellt. Wir haben zwar immer davon gehoert, doch schon fast nicht mehr daran geglaubt.
Die Strecke von Callapata nach Oruro von 125km befindet sich zwar auf 3700m ueber Meer, ist jedoch flach und nach den bergigen letzten Wochen ein Fahrgenuss. Zudem ist die Landschaft sehenswert.
| Kraterlandschaft |
Eigentlich wollen wir nach 78 km uebernachten und fahren ins Dorf Machacamarca rein. Bereits bei der Einfahrt fuehlen wir uns wie zwei Reiter, welche in einem klassischen Wildwestfilm in eine verlassene, staubige Stadt einreiten. Beim Hauptplatz treffen wir auf Menschen. Auf unsere Frage nach einer Unterkunft in diesem Dorf schicken uns die Leute von einem Haus zum anderen. Am vermeintlichen Ziel angekommen, oeffnet uns Spaetteenager in Hiphopkleidung, mit Schnittnarbe im Gesicht und Kopfhoerern in den Ohren die Tuere. Er ignoriert uns und spricht einige Worte mit den neben uns stehenden Schuelern. Anscheinend sind wir in diesem Dorf nicht willkommen - missmutig fahren wir weiter. Kurz vor einer Grossstadt wie Oruro wild zu zelten ist nicht gerade eine sichere Loesung. Da es bereits um 18.30Uhr dunkel wird, sammeln wir unsere verbleibenden Kraefte und fahren die restlichen 35 Kilometer bis nach Oruro. Wir schaffen es nicht mehr vor Sonnenuntergang, und muessen den Rest der Strecke im Licht der Lampen zuruecklegen. Als wir endlich das Stadtzentrum erreichen, schnaufen wir auf und leisten uns nach den Entbehrungen der letzten Tage eine Ruhepause in einem Dreisternhotel - das haben wir uns verdient :-).
| Oruro |