Samstag, 30. Juli 2011

Potosí - ? - Ventilla - ? - Challapata - Oruro

In Potosí unternehmen wir einen Ausflug in die Cerro Rico-Mine. Dieser Ausflug ist ein schmaler Grat zwischen Sensationstourismus und Generosität. Von Julio, unserem Guide und frueherern Minenarbeiter, erfahren wir einiges ueber das harte Leben der Minenarbeiter, welche zum Teil erst 15 Jahre alt sind.


Wie bereits im vorherigen Bericht beschrieben ist das Tagesmenu in Bolivien sehr billig (Fr. 1.50) , doch auch eintoenig. Dazu gehoert fast stets Suppe, Reis, Poulet und Kartoffeln. Die Qualitaet des Essens behagt unseren Maegen nicht immer gleich gut. In kleinen Orten hat man jedoch keine Wahl, entweder man isst was auf den Tisch kommt oder man fastet. In Potosí hingegen  finden wir unser neues Stammrestaurant, welches fuer Fr. 3.50 ein köstliches Viergang-Mittagsmenue anbietet (Salatbuffet, Suppe, Hauptgang und Dessert). Das Restaurant ist zudem sehr geschmackvoll eingerichtet. In unserem dreitaegigen Aufenthalt gehen wir jeden Mittag hin.

Unser Stammrestaurant in Potosí
Unsere erste Etappe raus aus Potosí geht ganze 30km mehrheitlich bergab bis wir wieder an Höhe gewinnen. Schliesslich muessen wir wieder auf ueber 4000m ueber Meer gelangen. Nach etwa 60km fragen wir einen Bauern, ob wir auf seinem Grundstueck uebernachten duerfen. Der Platz weist ein leichtes Gefaelle auf, da wir uns in gebirgigem Gelaende bewegen - wir rutschen die ganze Nacht von unseren Matten hinunter. In der Nacht bekommt Felix Bauchkraempfe, muss erbrechen und hat Durchfall...speziell unangenehm auf fremdem Gelaende ohne sanitaere Einrichtungen. Am naechsten Tag gesellen sich noch Gliederschmerzen zu seinen Beschwerden, trotzdem will er weiter fahren. Die naechsten 40km gehen leider weiterhin mehrheitlich aufwaerts und der obligate Gegenwind ist natuerlich auch mit von Partie. 

Dickschaedel am Pausieren
Trotzdem erreichen wir nach 50km Ventilla und stehen vor einem einfachen Gasthaus. Die Angestellte oder Tochter des Inhabers schaut uns richtiggehend feindselig an, was wegen Fehlen eines richtigen Grundes bei uns nur Mitleid erwecken kann. Mangels Alternativen nehmen wir das einfache, unsaubere Zimmer (zum Beispiel Zigarettenstummel unter dem Bett). Das Gemeinschaftsbad besitzt wegen Reparatur gerade kein Lavabo.

Am naechsten Tag geht es Felix wieder besser, dafuer ist meine Motivation gleich null. Der Gegenwind blaest bereits fruehmorgens sehr stark und das Gelaende steigt steil an. Am liebsten wuerde ich zurueck nach Ventilla fahren und einen Bus nehmen. Als wir gerade eine Krisensitzung abhalten, gesellt sich ein Mann mit seinem Eingang-Fahrrad, welches er den Berg raufschiebt, zu uns. Ohne uns oder unsere momentanen Probleme genauer zu kennen, motiviert er uns fuer die Weiterfahrt. Es gehe nur noch ungefaehr 2.5km rauf. Die restliche Strecke nach Oruro sei aber flach oder teilweise sogar abfallend. Tatsaechlich wird das Gelaende flacher und so macht mir auch der Gegenwind weniger aus. Am Abend flacht der Wind ab und dreht, so dass wir sogar noch ein paar Kilometer Rueckenwind geniessen. Kurz vor Sonnenuntergang finden wir einen idyllischen Platz zum Zelten. 


Die Nacht wird so kalt wie noch nie. Ausser den Nasenspitzen haben wir nicht mehr viel ausserhalb des Schlafsackes. Sogar der Inhalt der 2L-Petflasche im Innenzelt gefriert vollstaendig. Deshalb warten wir am naechsten Morgen bis die Sonne genug stark scheint, bevor wir uns aus dem Zelt steigen. Da es Felix's Magen noch immer nicht gaenzlich gut geht, setzen wir als Tagesziel nur den 30km entfernten Ort Callapata. Dort erwarten wir Unterkuenfte und damit die Moeglichkeit, fuer den Rest des Tages noch etwas zu rasten. Auf dem Weg nach Callapata passieren wir einen Salzsee, wo wir Flamingos sichten. Ich bin begeistert und froh, dass ich nach Ventilla nicht aufgegeben habe.



Die Landschaft ist nun topfeben - eben so, wie man sich ein Altiplano vorstellt. Wir haben zwar immer davon gehoert, doch schon fast nicht mehr daran geglaubt.

Die Strecke von Callapata nach Oruro von 125km befindet sich zwar auf 3700m ueber Meer, ist jedoch flach und nach den bergigen letzten Wochen ein Fahrgenuss. Zudem ist die Landschaft sehenswert.

Kraterlandschaft


Eigentlich wollen wir nach 78 km uebernachten und fahren ins Dorf Machacamarca rein. Bereits bei der Einfahrt fuehlen wir uns wie zwei Reiter, welche in einem klassischen Wildwestfilm in eine verlassene, staubige Stadt einreiten. Beim Hauptplatz treffen wir auf Menschen. Auf unsere Frage nach einer Unterkunft in diesem Dorf schicken uns die Leute von einem Haus zum anderen. Am vermeintlichen Ziel angekommen, oeffnet uns Spaetteenager in Hiphopkleidung, mit Schnittnarbe im Gesicht und Kopfhoerern in den Ohren die Tuere. Er ignoriert uns und spricht einige Worte mit den neben uns stehenden Schuelern. Anscheinend sind wir in diesem Dorf nicht willkommen - missmutig fahren wir weiter. Kurz vor einer Grossstadt wie Oruro wild zu zelten ist nicht gerade eine sichere Loesung. Da es bereits um 18.30Uhr dunkel wird, sammeln wir unsere verbleibenden Kraefte und fahren die restlichen 35 Kilometer bis nach Oruro. Wir schaffen es nicht mehr vor Sonnenuntergang, und muessen den Rest der Strecke im Licht der Lampen zuruecklegen. Als wir endlich das Stadtzentrum erreichen, schnaufen wir auf und leisten uns nach den Entbehrungen der letzten Tage eine Ruhepause in einem Dreisternhotel - das haben wir uns verdient :-).

Oruro

Freitag, 22. Juli 2011

Villazón - Tupiza - Cazón - ? - ? - Potosí

Bereits in Villazón spueren wir, wie anders Bolivien ist. Waren aller Art, sowie Essen werden auf der Strasse feil geboten.

Markt in Uyuni
Die Preise sind unverschaemt tief. In einheimischen Restaurants kann man Tagesmenues bestellen, welche jeweils aus Suppe und Hauptspeise bestehen. Diese kosten pro Person etwa zwei Franken. Die Bevoelkerung sieht nun vermehrt indigen aus und die meisten aelteren Frauen tragen stolz ihre traditionelle Kleidung. 


Da Villzón eine Grenzstadt und vorallem fuer Schmuggler interessant ist, machen wir uns bereits am naechsten Tag nach Tupiza auf. Die Strecke ist praktisch vollstaendig asphaltiert und sehr gut zu befahren. Wir treffen auf zwei Franzosen auf ihren Fahrraedern. Sie erzaehlen uns, dass der Salar de Uyuni, obwohl jetzt eigentlich Trockenzeit ist, im Moment mehr einem See gleicht. Mit dem Rad sei die Ueberquerung nicht sinnvoll, man koenne jedoch immer noch Jeep-Touren buchen. Leider sei der  Nationalpark im Suedwesten von Bolivien gesperrt, ebenfalls wegen Schneefalls. Enttauescht nehmen wir diese Nachricht auf, haben wir uns doch enorm auf diesen Nationalpark mit den Lagunen gefreut. Spaeter erfahren wir, dass dies in etwa alle 8 Jahre der Fall ist, das letzte Mal im 2001.

Da ich bereits ein wenig muede bin, uebersehe ich bei der Stadteinfahrt von Tupiza ein Wasserablaufgitter und fahre so darueber, dass mein Vorderreifen absinkt und ich per Salto irgendwie auf dem Boden lande - zugedeckt mit Velo und Gepaeck. Zum Glueck habe ich ausser ein paar Schrammen keine Verletzung davongetragen. Auch das Velo hat diesen Sturz schadlos ueberstanden.
In Tupiza goennen wir uns nach diesem Schock eine riesige Pizza. Uns faellt auf, dass eigentlich ziemlich alle touristischen Restaurants Pizzerien sind. Anscheinend denken die Bolivier, dass Touristen nur Pizzas essen.

Wir buchen eine 2-Tagestour per Jeep zum Salar de Uyuni. Am ersten Tag fahren wir nach Uyuni. Auf dem Weg dorthin kommen wir an schoenen Felsformationen vorbei und pausieren bei einem Zwischenhalt in Atocha, einem kleinen Provinzort. 



Atocha
Plaza in Atocha

Nach stundenlangem Fahren durch karges Wuestengebiet, taucht auf einmal taucht Uyuni auf - eine Stadt mitten im Nichts. Leider liegt ueberall Abfall herum. Wir haben Muehe zu verstehen, dass man diese einmalige Landschaft so verschandeln kann.


Bevor wir zu unserem Hotel fahren, besichtigen wir noch einen Zugfriedhof.




Die Nacht verbringen wir in einem Salzhotel, das heisst fast alles besteht aus Salz. Unglaublich, wie stabil dieses Material ist.

Salzhotel
Colchani, Dorf mit unserem Salzhotel
Um 6 Uhr morgens fahren wir auf den Salzsee, um auch sicherlich den Sonnenaufgang nicht zu verpassen. Trotz Wasser ist dieser Salzsee eine Augenweide und hinterlaesst eindrueckliche Erinnerungen. Die folgenden Bilder sprechen fuer sich:






Isla de Incahuasi


Zurueck in Tupiza satteln wir unsere Fahrraeder und fahren in Richtung Norden. Da die Gegend nur duenn besiedelt ist, packen wir groessere Mengen Wasser- und Essensvorraete auf unsere Raeder. Die Strecke ist groesstenteils asphaltiert, zwischendrin hat es aber immer wieder laengere Abschnitte mit Schotter, da die Strassenarbeiten noch voll im Gang sind. Die Strasse fuehrt uns durch karge Wuestenlandschaft und kleine Doerfer. Auf was man in Bolivien sicher zaehlen kann ist, dass auf jeden Gipfel eine Abfahrt und anschliesend genau so schnell wieder ein neuer Pass folgt. Es geht stetig auf und ab, wie man auf dem nachfolgenden Bild erkennen kann.

Am zweiten Tag reisst am Fusse eines Passes die Kette von Felix's Fahrrad. Waehrend er diese reinigt und repariert, kommt auf einmal ein bolivanischer Rennvelofahrer gefahren. Er ist unterwegs zum naechsten groesseren Dorf, welches etwa 40 km enfernt liegt. Als ich ihn frage, wo er denn sein Wasser habe, zeigt er auf seinen schwarzen Sack am Lenker. Er sagt, er brauche kein Wasser oder Essen, er habe dort seine Cocablaetter. Wenn er diese kaue, habe er weder Durst noch Hunger. Fuer die Bolivianer scheinen die Cocablaetter so wichtig wie die Luft zum Atmen - sie  kauen diese in rauhen Mengen.


Immer wieder treffen wir auf  Menschen, welche  am Strassenrand auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Felix fragt die Frau auf dem nachfolgenden Bild, ob er ein Foto von ihr machen koenne und sie plaudern noch ein wenig. Sie erzaehlt ihm gerade, dass sie schon lange warte, doch leider einfach niemand anhalte. Beim naechsten Lastwagen haelt Felix den Finger hoch und zeigt auf die Frau. Tatsaechlich haelt dieser und die Frau kann mitfahren.




Da es nur in wenigen Orten eine Unterkunft hat, fahren wir so weit wie unsere Kraefte reichen und fragen dann bei Siedlungen nach, ob wir unser Zelt aufstellen duerfen. Diese Orte sind so klein, dass sie nicht einmal auf unserer Karte eingezeichnet sind (deshalb die Fragezeichen im Post-Titel). Die Einheimischen haben uns zwar den jeweiligen Namen genannt, doch wir konnten uns diese nicht merken. Je aermer die Menschen, desto gastfreundlicher sind sie. Wir muessen meistens nur jemanden fragen und haben dann bereits einen Platz fuer unser Zelt. Manchmal laden uns die Leute sogar zum Essen ein.

Unser Zelt stand rechts neben dem Haus
Baeuerliches Morgenessen
Nach drei Uebernachtungen im Zelt fehlen nur noch 55km bis nach Potosí, einer Stadt mit 163'000 Einwohnern auf 3977m Hoehe ueber Meer. Es soll die hoechste Stadt der Welt mit dieser Groesse sein. Ich freue mich bereits auf ein richtiges Bett und eine Dusche, doch diese Etappe stellt sich als sehr schwierig heraus. Zum Anstieg auf 4300m.ue.M. gesellt sich noch ein starker Gegenwind. Es folgen immer wieder Steigungen und Abfahrten. Meine Moral ist am Boden und ich rechne mit einer erneuten Zeltuebernachtung. Felix nimmt mir das Zelt ab, damit mein Velo leichter ist. Wir muessen uns immer wieder kleine Ziele setzen, wie zum Beispiel 500m zu fahren und dann wieder eine Pause einzulegen. 5km vor Potosí ist von der Stadt noch keine Spur zu sehen, es sieht jedoch wieder nach einer laengeren Steigung aus. Dies wird dann sogar Felix zuviel und wir erwaegen, unser Zelt aufzuschlage. Bei einer Stassenkontrolle fragen wir einen Polizisten, wie weit die Strasse noch steigt. Eine Woge der Erleichterung ueberkommt uns, als dieser uns mitteilt, dass sie nur noch 100m ansteige und anschliessend bis Potosí nur noch bergab gehe. Wir reissen uns zusammen und nehmen diese letzten 100m Steigung in Angriff. Oben angekommen geht es wirklich nur noch bergab. Dusche wir kommen! :-)

Donnerstag, 21. Juli 2011

Kartenansicht Route Argentinien

Salta - San Salvador de Jujuy - Purmamarca - Humahuaca - Azul Pampa - La Intermedia - Villazón

Abschiedstrunk von Salta mit gelaeufigem Namen
 Nach einem ausgiebigen Fruehstueck im Hostel ziehen wir von Salta los. Die Strasse steigt an, bis wir beim Gipfel namens Alto de la Sierra (1600 m.ue.M.) ankommen. Von dort beginnt eine herrliche, langgezogene Abfahrt bei geringem Gefaelle durch lianendurchwachsenen Wald.


Eingangs San Salvador de Jujuy fallen uns die monotonen Reihenhaussiedlungen auf.


Nach kargem Fruehstueck (Broetchen abgezaehlt...Dinge, die einen Sportler beschaeftigen :-) im internationalen Hostel fahren wir zur Post, um unser Paket mit ueberfluessig gewordenem Gepaeck in die Schweiz zu senden. Nachdem wir erfahren, dass schon 2 Photo-DVDs wegen Zollformalitaeten (nicht Zollgebuehren!) etwa CHF 40.00 kosten, blasen wir den Versand fuer den Moment ab.

Wir finden auf die Ruta 9 zurueck, die immer naeher am Rio Grande verlaeuft und sehen auf das breite Flusstal, wo wenig Wasser fliesst. Das Tal wird flankiert von Felsen mit imposanten Formen und Farben, die von Kakteen besiedelt werden.




Die Strasse steigt nun relativ kontinuierlich etwa 1000 Hoehenmeter an. In einer Kurve treffen wir auf einen einheimischen Bauern, der ploetzlich mit seiner Sichel zu wedeln beginnt. Nach unserem Gruss und etwas fragendem Blick verraet er uns, dass die vor uns abzweigende Nebenstrasse spaeter wieder in die Hauptstrasse einbiegt und uns die Ueberwindung einiger unnoetiger Hoehenmeter erspart. Wir uebernachten im malerischen und touristischen Purmamarca, welches eingerahmt ist von 7-farbigen Felsen.




Dort gibt es auf dem Dorfplatz einen grossen Markt, auf dem viele Stricksachen und andere Souvenirs feilgeboten werden. Am naechsten Morgen statten wir noch der Touristen-Information einen Besuch ab, um endgueltig in Erfahrung zu bringen, ob die Andenueberquerung ueber den Paso de Jama nach Chile moeglich ist. Da dieser Pass aufgrund von Vereisung und starken Schneefaellen bereits seit 3 Wochen gesperrt ist, hegen wir keine grossen Hoffnungen. Der Angestellte meint, dass der Durchgang fuer Motorfahrzeuge wohl gesperrt sei, es jedoch mit dem Fahrrad eventuell moeglich waere, auf dem Seitenstreifen mit Kiesbelag zu passieren. Da uns das Wagnis zu gross erscheint, eine Andenquerung bei solchen Bedingungen in Angriff zu nehmen, aendern wir unsere Plaene und fahren wieder auf die Ruta 9 zurueck, welche nach Bolivien fuehrt.



Unser heutiges Tagesziel ist Humahuaca, wofuer weitere 900 Hoehenmeter zu bewaeltigen sind. Diese Strecke fuehrt an Maimará vorbei - ein Ort, welcher unterhalb von den bekannten mehrfarbigen Felsen mit Dreiecksformen liegt. Sehenswuerdig ist auch der auf einem vorgelagerten Huegel angelegte Friedhof.


Felsen mit vorgelagertem Friedhofshuegel


In Tilcara gelingt es uns, unsere Photo-DVDs (getarnt mit Hilfe von Karton-Einlage und unscheinbarem Couvert) als normalen Brief fuer umgerechnet CHF 7.00 fuer den Versand in die Schweiz aufzugeben. Ob es wohl ankommt?
Bei der Ankunft in Humahuaca auf 2990 m.ue.M. entscheiden wir uns fuer einen Ruhetag zwecks Akklimatisierung an die Meereshoehe. Im Hostal lernen wir ein englisches Paar kennen, welches uns ueber bewegte Monate in Suedargentinien erzaelt, wo sich die zwei selbstaendig machen wollten. Ohne die entsprechenden Beziehungen innerhalb Argentiniens stellte sich dieses Vorhaben jedoch als sehr schwierig heraus. Das Zentrum von Humahuaca ist sicherlich sehr schoen, ansonsten ist das Dorf eher Ausgangspunkt fuer die Besichtigung der umliegenden Sehenswuerdigkeiten. Da wir mit dem Fahrrad bereits einiges davon mitbekommen, verzichten wir auf zusaetzliche Ausfluege und ziehen die Erholung von den Strapazen der vergangenen Tage vor.



Die Nacht ist ziemlich unruhig. So wird fruehmorgens geschossen oder Feuerwerk gezuendet (schwer zu definieren) und im Gang des Hostals bellt ein Hund. Als wir fruehstuecken gehen wollen, sehen wir als erstes vor unserer Zimmertuere Hundekot liegen. Jetzt wird klar, wieso der Hund gebellt hat. Bei der naechsten Tagesetappe muessen wir schon fast gleich von Beginn weg gegen den Wind ankaempfen. Anfangs kommen wir fuer die herrschenden Umstaende gut voran. Der Staub in der Luft macht uns zu schaffen. Dementsprechend schuetzen wir unsere Atemwege. Nach 15 Uhr hat der Wind eine Staerke erreicht, gegen die wir kaum mehr ankommen. Nachdem die Bedingungen auch nach einer Essenspause noch nicht besser sind, fragen wir im naechsten Ort mit etwa 5 Haeusern den Kioskbesitzer, ob wir unser Zelt im Schutz der Haeuser aufstellen duerfen. Er bietet uns an, unser Zelt innerhalb seines dachlosen Schuppens aufbauen zu koennen.


Da der Wind meistens gegen Mittag staerker wird, brechen wir am naechsten Morgen schon um 7.30 Uhr auf. Schon bei der Abfahrt spueren wir die enorme Kaelte - bei Daemmerung zeigt das Thermometer -11ºC! Der Teil unserer Wasservorraete, welcher sich in PET-Flaschen befindet ist mittlerweile gefroren. Einmal mehr sind wir froh, an diese Bedingungen angepasste Schlafsaecke mitgebracht zu haben. Alle 5-10 km muessen wir halten, um unsere Fuesse warmzureiben. Obwohl wir seit Tagen durch bergige Landschaften fahren, staunen wir immer von neuem, welche Vielfalt an Farben und Formen die Landschaft dieser Gegend bietet.


Erst um 10 Uhr ist es genug warm, dass wir unser Fruehstueck aus den Packtaschen nehmen. Bereits in Salta haben wir mehrere Rationen Haferflocken mit Trockenmilch in Ziplock-Saecken vorbereitet. So koennen wir nun lediglich etwas Wasser zugeben und haben ein leckeres Mueesli. In Tres Cruzes erreichen wir den bisher hoechsten Punkt unserer Reise mit 3780 m.ue.M. . Bei der nachfolgenden Abfahrt machen wir die Bekanntschaft eines Lamas. Zuerst rennt es strammen Schrittes auf mich zu, dass es mir Angst und Bange wird, doch dann zeigt sich der gutmuetige Charakter des Tieres.






Kurz nach dieser sympathischen Begegnung folgt gleich die naechste. Ein australisch/neuseelaendisches Paar kommt uns entgegengefahren. Wir tauschen uns ueber den weiteren Streckenverlauf aus. Die Nacht verbringen wir im Hinterhof einer Ersthilfe-Station eines kleinen Ortes. Gutgelaunt stehen wir am naechsten Tag auf, da wir nur noch 40 km bis zur bolivianischen Grenze zu fahren haben. Wir sind gespannt, welche Erlebnisse Bolivien fuer uns bereithaelt.



Auf der argentinischen Seite der Grenze verbrauchen wir unsere letzten argentinischen Peso fuer ein Mittagessen. Noch wissen wir nicht, wie froh wir bei den nachfolgenden buerokratischen Formalitaeten um diese Staerkung sind. Nach nahezu zwei Stunden Wartezeit kriegen wir den argentinischen Ausreisestempel, vergleichsweise speditiv die nachfolgende halbe Stunde fuer den bolivianischen Einreisestempel. In der Warteschlange lernen wir zwei junge Backpacker aus der Schweiz kennen, was uns die Wartezeit etwas verkuerzt. Nach dem ganzen Marathon quartieren wir uns in der Grenzstadt Villazón ein.