Mittlerweile sind wir in Florianopolis angekommen und erholen uns zwei Tage am Strand von den zurueckgelegten insgesamt 840km. Seit Curitiba haben wir wieder einiges erlebt.
 |
| Paradiesische Landschaft nahe von Joinville |
Von Curitiba geht die Fahrt ueber Blumenau wieder zurueck an die Atlantikkueste, die wir in Tijucas erreichen. Wir haben uns eigentlich vorgenommen, auf dieser Reise mindestens teilweise im Zelt zu uebernachten. Da das Tourero-Leben aber schon sonst eine grosse Umstellung zum Schweizer Alltag ist und wir auch sportlich einiges leisten haben wir uns bisher Hotel-/Pensionsuebernachtungen gegoennt. Die Preise sind aber meist einiges tiefer als in der Schweiz. Wahrscheinlich werden wir aber das Campen in Kuerze etablieren. Den Benzinkocher haben wir schon benuetzt...allerdings macht es wenig Sinn, immer ein Gekoech zu machen, wenn man fuer CHF 3.00 ein gutes Sandwich kriegt.
Mit den brasilianischen Menschen machen wir nach wie vor hauptsaechlich gute Erfahrungen. Das Negativste, was wir erlebt haben ist, dass jemand beim Fragen nach dem Weg einfach weiterspaziert...in der Schweiz wuerde dies aber wohl noch einiges haeufiger vorkommen.
Nach Curitiba kommen wir in einen "verschlafenen" Ort namens Garuva. Solche Orte haben durchaus ihre Vorteile. Es ist viel leichter ersichtlich, wie die Leute leben. Man fuehlt sich sicher, da es normalerweise nicht gross Touristen hat, welche Kriminelle anziehen wuerden. Das Hotelzimmer kostet umgerechnet CHF30 fuer ein Zimmer mit Doppelbett. Ein Ventilator ist eigentlich immer vorhanden und auch der Fernseher scheint fuer Brasilianer fast ebensowichtig wie das taegliche Brot zu sein. Ist jeweils lustig, die Reaktion zu sehen, wenn man sagt, dass man den Fernseher sowieso nicht brauchen wird.
Da Curitiba etwas erhoeht liegt, koennen wir die Reisetage danach in Richtung Kueste vermehrt auch abwaerts fahren, was wir natuerlich sehr geniessen. Unterwegs sehen wir wunderbare Landschaften, darunter auch Dinge, welche ich nicht als erstes mit Brasilien verbunden haette, so z.B. Reisfelder. Etwas vom schoensten ist die grosse Weite...riesige Felder, Huegel im Hintergrund, Kuehe am weiden, Palmen...schmucke Haeuschen...eine grosse Vielfalt an Elementen.
In den letzten Tagen macht uns die Hitze zu schaffen. Manchmal zeigt mein Thermometer nahezu 40C...wenn dann noch so eine richtig starke Steigung hinzukommt...mit dem schweren Gepaeck...kann man schon ins Schnaufen kommen und muss zusehen, dass man nicht einen Hitzeschlag erleidet - dies wohlbemerkt im Herbst. Ich moechte nicht wissen, wie das Radfahren hier im Sommer waere...wir sehen uns in unserer Planung diesbezueglich bestaetigt. In Guaramirim kaufen wir am Strassenrand eine 2L-Flasche und leeren sie auf der Stelle zu zweit.
Nach Pirabeira, Guaramirim und Jaragua do Sul kommen wir nach Pomerode, einem Staedtchen, das wo viele Auswanderer aus Deutschland, bzw. deren Nachkommen wohnen. Man sieht dies an Firmenschildern mit deutschen Namen, Leuten, mit denen man sich auf Deutsch unterhalten kann, Fachwerkhaeusern, deutschen Strassennamen, etc. . In einer Confiserie leisten wir uns zum Znueni etwas Kuchen, wobei uns eine deutschsprechende aeltere Baeckersfrau anspricht. Sie nimmt Anteil an unserer Reisefreude und wuenscht uns viel Glueck. Im Allgemeinen heben die Leute den Daumen wenn sie uns sehen und laecheln. In diesem Land scheint der Sport eine Sonderstellung zu geniessen (nicht nur Fussball)...die Leute scheinen sich ab unserer Radreise zu freuen, auch wenn sie die Details nicht kennen.
Bezueglich Blumenau haben wir uns leider etwas zu wenig vorinformiert. Wir haben keine riesige, unuebersichtliche und verkehrsstarke Stadt erwartet...deshalb radeln wir auch so schnell wie moeglich wieder heraus und uebernachten erst im Folgeort Gaspar.
Wir erleben immer spannende Begegnungen. Ausgangs Jaragua do Sul hat uns zum Beispiel Samir angehauen und wollte unsere Mailadresse und ein Photo von uns und unseren Velos. Er fahre auch Velo.
In Tijuacas unterhalten wir uns mit dem Receptionist, der auch gleich unsere Mailadresse will und uns mittlerweile schon kontaktiert hat. Er ist Student und freut sich, sein Englisch etwas zu trainieren.
Nach Tijucas sehen wir nach der Abfahrt zwei Rennvelofahrer auf der anderen Seite des Highways. Kurz nachher sind sie neben uns. Der eine hat argentinische Abstammung und wir sprechen stundenlang ueber Gott und die Welt (fahrend). Jorge und sein brasilianischer Kollege geben uns Geleit bis nach Florianopolis. Sie bringen uns noch einige Tricks fuer das Velofahren auf brasilianischen Highways bei.
 |
| Mit Jorge (m.) & seinem Kollegen nach Floripa |
In Florianopolis ist eine Stadt, die sich groesstenteils auf einer Insel befindet. Wir ueberqueren die Bruecke zur Insel und queren noch einen Uebergang nach Barro da Lagoa. Hier hausen wir zwei Tage in einer Jugendherberge wo hauptsaechlich Surfer und andere coole junge Leute einquartiert sind, die bis morgends um etwa 4 Uhr Parties feiern...Wir fuehlen uns alt :-) . Dieser Strandort ist aber wohl doch der Richtige um sich so richtig schoen fuer die Weiterfahrt zu ruesten.