Samstag, 30. April 2011

Mostardas - Rio Grande

Gestaerkt mit einem feinen Fruehstueck verlassen wir das Hotel Scheffer und fahren weiter auf der BR 101 in Richtung São José do Norte, dem Ende des Highways BR 101 und der Lagunenzunge. Da diese Siedlung  160km entfernt liegt, planen wir auf dem Weg dorthin einen Einheimischen zu fragen, ob wir auf seinem Grundstueck fuer die Nacht das Zelt aufstellen duerfen. Die Strasse ist immer noch topfeben und neu asphaltiert, es hat fast keinen Verkehr und so kommen wir sehr gut voran.

Traktor vor Duene
 Ich kann hinter Felix Windschattenfahren und so werden unsere Kraefteunterschiede etwas verkleinert. Fahrend diskutieren wir ueber Gott und die Welt und so vergehen die Kilometer wie im Flug. Um 17.30 Uhr erreichen wir unerwartet schon São José do Norte. Dort finden wir mit Hilfe eines Gemeindeangestellten das richtige Schiff, welches uns zur gegenueberliegenden Stadt Rio Grande bringt, wo wir uns im Hotel Paris einquartieren.
Am naechsten Tag ist wieder einmal Waesche waschen angesagt. Nach einer Stunde des Suchens finden wir endlich einen Selfservice-Waschsalon in einem Supermarkt. So koennen wir unsere Waesche waschen und gleichzeitig die Einkaeufe erledigen. Da es von Rio Grande bis zur Grenzstadt in Uruguay keine Staedte oder groessere Siedlungen hat, muessen wir unsere Wasser- und Essensvorraete ziemlich aufstocken, um fuer diese Etappen gewappnet zu sein.
Rio Grande ist eine Stadt mit etwa 150´000 Einwohner, erscheint jedoch ziemlich uebersichtlich. Es hat keine grossen Sehenswuerdigkeiten, besitzt jedoch trotzdem einen gewissen Charme.


Rio Grande
Die Stassen sind gepflastert und sandig,  die Haueser alt und farbig. Es hat etwas einen "Wildwesttouch".

Nationalpark Lagoa do Peixe

Am zweiten Ruhetag in Mostardas entscheiden wir uns, einen Ausflug in den Nationalpark zu machen, (welcher gemaess Reisefuehrer) einer der besten Orte Suedamerikas zur Beobachtung immigrierter Vogelarten sein soll.  Bestueckt mit nur einer Velotasche gefuellt mit Blache, Kocher, Essen, Trinken und Kamera ziehen wir los. Von der Sandpiste lassen wir uns nicht abhalten, obwohl wir das Fahrrad oft schieben muessen.


Sandpiste nach Lagoa do Peixe
Es siegt die Vorfreude, Flamingos in freier Wildbahn zu erleben.  Unsere Muehe wird schlussendlich mit einer grossartigen Sicht auf den Lagunensee belohnt. Es hat ueberhaupt keine touristischen Einrichtungen - wilde Natur. Neben dem See weiden Rinder, auf dem See schwimmen weisse Voegel, doch keine Spur von Flamingos. Ploetzlich sehen wir am anderen Ende des Sees viele pinkige Punkte -  die Flamingos!


Flamingos, Lagoa do Peixe
Die Tiere sind relativ nahe am Ufer, da dieses allerdings Feuchgebiet ist, kommen wir nicht so nahe ran. Wir suchen uns einen Platz zum Kochen, legen die Blache auf die Weide und bereiten unser Mittagessen zu. Trotz starkem Wind gelingt es uns, mit den Velos als Windschutz am See Reis zu kochen. Wir geniessen Sonnenschein und Vogelbeobachtungen.
Greifvogel, Lagoa do Peixe

Mittwoch, 27. April 2011

Florianópolis - Paulo Lopes - Tubarão - Arroio da Silva - Sombrio - Capão da Canoa - Palmares do Sul - Mostardas

Nach einem ausgiebigen Fruehstueck fahren wir von der Insel zurueck aufs Festland. Da es nicht so heiss ist, ueberwinden wir auch die drei steilen Steigungen problemlos.  Endlich erreichen wir die BR 101, der Highway nach Sueden. Um weiter zu kommen, muessen wir diese zuerst nehmen, da es keinen anderen Weg gibt. Da diese Strasse im Moment ueberall vierspurig ausgebaut wird, hat es nicht immer einen Seitenstreifen. Die Auto und Trucks brausen mit enormen Geschwindigkeiten, ueberholen, egal wie unuebersichtlich es ist, und das Wort Bremsen kennen sie nicht. Wir, als Fahrradfahrer, muessen irgendwie schauen, wie wir ausweichen. Bei einigen Passagen stossen wir unser Velo lieber am Rand ueber die Wiese , als auf der Strasse zu fahren.
Am zweiten Tag beginnt es zusaetzlich noch zu regnen und so verziehen wir uns in ein gemuetliches Restaurant, um abzuwarten.  Dort treffen wir Manuel, welcher von seiner 800km langen Erwanderung des Jakobswegs erzaehlt. Er gibt uns seine Adresse und laedt uns spontan zu sich ein, wenn wir dort vorbeikommen. Doch da er erst am Sonntag wieder zuhause sein wird, koennen wir seiner Einladung nicht folgen.
Als wir uns schon fragen, ob wir eigentlich normal sind, auf dieser Strasse zu fahren, laesst der Regen langsam nach und wir treffen den ersten Tourenfahrer, ein Brasilianer, auf dem Weg nach Porte Alegre. Er laesst sich von diesem Vekehr nicht beeindrucken. Dies machte uns Mut und wir steigen wieder auf die Raeder. Es lohnt sich,  kurz danach nimmt der Verkehr ab und es hat mehrheitlich einen wunderbaren Seitenstreifen.
Wir kommen gut voran und fahren einem See entlang. An den Strassen verkaufen Strassenhaendler Fisch und Fruechte. Die Landschaft wird immer flaecher. Vor Tubarão hat es auf der Gegenfahrbahn 30km Stau, die Menschen scheinen fuer Ostern alle in den Norden, Richtung Florianópolis, zu fahren. Sie winken aus ihren Autos, strecken die Daumen hoch und fotografieren uns. Wahrscheinlich bringen wir ein bisschen Abwechslung in ihr Warten.


1000 km: Keine Angst, die Strasse geht weiter
Wir erreichen die 1000km Grenze und kommen gut gelaunt in Tubarão an, wo wir uns wieder einmal einen koestlichen Berliner, gefuellt mit Dulce de Leite, geonnen. Ich habe Dulce de Leite entdeckt und freue mich auf Argentininen, wo dies in rauhen Mengen gegessen wird. Felix nennt mich bereits Schleckmaul, da ich fast an keiner Konditorei vorbeikomme.
Im Hotel Farol werden wir vom Besitzter empfangen, er habe uns auf der Strasse gesehen. Er freut sich mit uns zu plaudern. Er habe noch 2 weitere Hotels in Laguna. Nun fahre er gerade in den Urlaub Richtung Chile. Er gibt uns ein paar Tipps zur Weiterfahrt in Uruguay und guenstige Hotels fuer Buenos Aires. Er weist seinen Angestellten an, uns das groessere Zimmer zu geben, damit wir mit den Fahrraedern Platz haben.


Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir am Karfreitag weiter. In Ararangua sehen wir ein Schild Camping und sind uns sofort einig, nun endlich von unserem Zelt Gebrauch zu machen. Die 11km Umweg zum Stand nehmen wir in Kauf. Der Zeltplatz ist nicht leicht zu finden und auch nicht offen. Der Bruder vom Besitzer scheint jedoch dort zu campieren und weist uns trotzdem ein. Wir duschen und kochen uns anschliessend Teigwaren auf dem Kocher. Kurz vor dem Eindunklen erscheint ein kleines ausgetrocknetes Mannli. Mauro, der Besitzer komme erst am Ostersonntag zurueck. Er kassiert stellvertretend die 20 Reais und zeigt uns noch stolz zwei Maenner auf einem Motorrad, welche patroullieren sollten und Guards seien. Wir montieren trotzdem uns kleines Alarmgeraet Kevin am Velo und steigen ahnungslos ins Zelt. Was ist dies fuer ein Laerm? Ach Schreck, es donnert. Wir brauchen gar keine Taschenlampen, der Himmel wird erhellt, als waere es Tag. So ein Gewitter am Meer ist schon eindruecklich. Doch als wir denken es sei vorbei, beginnt das zweite und so geht es dann bis zum Morgengrauen weiter.


Endlich sind alle Gewitter vorueber
Am nachsten Morgen regnet es bis zum Mittag weiter, deshalb schlafen wir aus und starten erst am fruehen Nachmittag. Wir sind muede und kommen nur langsam voran, deshalb bleiben wir ueber Nacht bereits in
Sombrio und beziehen ein grosses Zimmer, damit wir auch alle nassen Sachen auslegen koennen.
Am Ostersonntag scheint die Sonne und wir ziehen gut gelaunt los. In Torres beginnt endlich die Kuestenstrasse. Der Verkehr ist moderat und die Landschaft wunderschoen. Alleen von Bauemen. linker Hand das Meer mit Duenen, rechter Hand weidende Rinder und Pferde. Motiviert fahren wir bis nach Capão da Canoa. Dort sehen wir ein Fahrradgeschaeft und davor einige Menschen. Obwohl Ostersonntag und geschlossen, begruesst und Jesus, der Besitzer und fragt, was wir brauchen. Das Ruecklicht schenkt er Felix. Ist doch schoen, von Jesus am Ostersonntag ein Geschenk zu erhalten. Wir suchen verzweifelt den Campingplatz, da wir ja noch unser Zelt trocknen muessen. Schlussendlich finden wir diesen im Hinterhof eines aermlichen Hauses. Na ja, trotz einigem Abfall auf der Wiese, sieht eingermassen vertrauenswuerdig aus und wir stellen unser Zelt auf. Um die Toilette zu benuetzen, muessen wir durchs Schlafzimmer des Teenismaedchens und der Grossmutter.
Am nachsten Tag geht es weiter auf die Lagune. Ein kleines Stueck Land duenn besiedelt, getrennt von einem riesigen Lagunensee auf der rechten Seite und der Atlantik auf der linken. Der Verkehr ist arm und die Strecke top flach. Man sieht jenste Wolkenformationen und hat das Gefuehl der Unendlichkeit. Das Gebiet ist ziemlich feucht, so sieht man Pferde, die bis zu den Bauechen in der Wiese waten, Rinder von Gauchos auf Pferden getrieben, weidende Schafe, Variationen von Vogelarten und riesige Farmen mit mehreren Maehdreschern.


Endlose Weite
 Die Strasse ist von Frostkratern uebersaet. Somit fahren die Trucks und Autos Slalomparcours, was die Einheimischen jedoch nicht am Rasen hindert.
Frostkrater in Kuestenstrasse
Eigenltich wollen wir in Palmares do Sul einen Regenerationstag einlegen, doch da alle Hotels ausgebucht sind, warum wissen wir immer noch nicht, landen wir in einem Loch bei einer alten muerrischen Dame. Felix findet, es fehlt nur noch der Besen:-). Um 19Uhr sind alle Restaurants geschlossen, doch wir finden ein Lanchonette, welches Riesenburger, Gewicht 1kg, anbiete. Sofort bestellen wir einen zu zweit und beherzigen den Grundsatz von friss die Haelfte.


Mega-Burger: "Friss die Haelfte"
Frueh steigen wir aus den Federn, da heute die 120km Etappe nach Mostardas vor uns liegt. Dort wollen wir die Regenerationstage einlegen und vorher hat es nichts.  Es hat viel weniger Gegenwind als gestern und somit kommen wir, trotz mueder Muskenln, sehr gut voran. Um 12 Uhr haben wir bereits 70km zurueckgelegt. Voller Freude erreichen wir Mostardas und beziehen unser Quartier. Am Abend goennen wir uns ein super Pizza mit einem Bier.

Kirche von Mostardas

Dienstag, 19. April 2011

Curitiba - Garuva - Jaragua Do Sul - Gaspar - Tijucas - Florianopolis

Mittlerweile sind wir in Florianopolis angekommen und erholen uns zwei Tage am Strand von den zurueckgelegten insgesamt 840km. Seit Curitiba haben wir wieder einiges erlebt.

Paradiesische Landschaft nahe von Joinville
Von Curitiba geht die Fahrt ueber Blumenau wieder zurueck an die Atlantikkueste, die wir in Tijucas erreichen. Wir haben uns eigentlich vorgenommen, auf dieser Reise mindestens teilweise im Zelt zu uebernachten. Da das Tourero-Leben aber schon sonst eine grosse Umstellung zum Schweizer Alltag ist und wir auch sportlich einiges leisten haben wir uns bisher Hotel-/Pensionsuebernachtungen gegoennt. Die Preise sind aber meist einiges tiefer als in der Schweiz. Wahrscheinlich werden wir aber das Campen in Kuerze etablieren. Den Benzinkocher haben wir schon benuetzt...allerdings macht es wenig Sinn, immer ein Gekoech zu machen, wenn man fuer CHF 3.00 ein gutes Sandwich kriegt.

Mit den brasilianischen Menschen machen wir nach wie vor hauptsaechlich gute Erfahrungen. Das Negativste, was wir erlebt haben ist, dass jemand beim Fragen nach dem Weg einfach weiterspaziert...in der Schweiz wuerde dies aber wohl noch einiges haeufiger vorkommen.

Nach Curitiba kommen wir in einen "verschlafenen" Ort namens Garuva. Solche Orte haben durchaus ihre Vorteile. Es ist viel leichter ersichtlich, wie die Leute leben. Man fuehlt sich sicher, da es normalerweise nicht gross Touristen hat, welche Kriminelle anziehen wuerden. Das Hotelzimmer kostet umgerechnet CHF30 fuer ein Zimmer mit Doppelbett. Ein Ventilator ist eigentlich immer vorhanden und auch der Fernseher scheint fuer Brasilianer fast ebensowichtig wie das taegliche Brot zu sein. Ist jeweils lustig, die Reaktion zu sehen, wenn man sagt, dass man den Fernseher sowieso nicht brauchen wird.

Da Curitiba etwas erhoeht liegt, koennen wir die Reisetage danach in Richtung Kueste vermehrt auch abwaerts fahren, was wir natuerlich sehr geniessen. Unterwegs sehen wir wunderbare Landschaften, darunter auch Dinge, welche ich nicht als erstes mit Brasilien verbunden haette, so z.B. Reisfelder. Etwas vom schoensten ist die grosse Weite...riesige Felder, Huegel im Hintergrund, Kuehe am weiden, Palmen...schmucke Haeuschen...eine grosse Vielfalt an Elementen.

In den letzten Tagen macht uns die Hitze zu schaffen. Manchmal zeigt mein Thermometer nahezu 40C...wenn dann noch so eine richtig starke Steigung hinzukommt...mit dem schweren Gepaeck...kann man schon ins Schnaufen kommen und muss zusehen, dass man nicht einen Hitzeschlag erleidet - dies wohlbemerkt im Herbst. Ich moechte nicht wissen, wie das Radfahren hier im Sommer waere...wir sehen uns in unserer Planung diesbezueglich bestaetigt. In Guaramirim kaufen wir am Strassenrand eine 2L-Flasche und leeren sie auf der Stelle zu zweit.

Nach Pirabeira, Guaramirim und Jaragua do Sul kommen wir nach Pomerode, einem Staedtchen, das wo viele Auswanderer aus Deutschland, bzw. deren Nachkommen wohnen. Man sieht dies an Firmenschildern mit deutschen Namen, Leuten, mit denen man sich auf Deutsch unterhalten kann, Fachwerkhaeusern, deutschen Strassennamen, etc. . In einer Confiserie leisten wir uns zum Znueni etwas Kuchen, wobei uns eine deutschsprechende aeltere Baeckersfrau anspricht. Sie nimmt Anteil an unserer Reisefreude und wuenscht uns viel Glueck. Im Allgemeinen heben die Leute den Daumen wenn sie uns sehen und laecheln. In diesem Land scheint der Sport eine Sonderstellung zu geniessen (nicht nur Fussball)...die Leute scheinen sich ab unserer Radreise zu freuen, auch wenn sie die Details nicht kennen.

Bezueglich Blumenau haben wir uns leider etwas zu wenig vorinformiert. Wir haben keine riesige, unuebersichtliche und verkehrsstarke Stadt erwartet...deshalb radeln wir auch so schnell wie moeglich wieder heraus und uebernachten erst im Folgeort Gaspar.

Wir erleben immer spannende Begegnungen. Ausgangs Jaragua do Sul hat uns zum Beispiel Samir angehauen und wollte unsere Mailadresse und ein Photo von uns und unseren Velos. Er fahre auch Velo.
In Tijuacas unterhalten wir uns mit dem Receptionist, der auch gleich unsere Mailadresse will und uns mittlerweile schon kontaktiert hat. Er ist Student und freut sich, sein Englisch etwas zu trainieren.
Nach Tijucas sehen wir nach der Abfahrt zwei Rennvelofahrer auf der anderen Seite des Highways. Kurz nachher sind sie neben uns. Der eine hat argentinische Abstammung und wir sprechen stundenlang ueber Gott und die Welt (fahrend). Jorge und sein brasilianischer Kollege geben uns Geleit bis nach Florianopolis. Sie bringen uns noch einige Tricks fuer das Velofahren auf brasilianischen Highways bei.

Mit Jorge (m.) & seinem Kollegen nach Floripa
In Florianopolis ist eine Stadt, die sich groesstenteils auf einer Insel befindet. Wir ueberqueren die Bruecke zur Insel und queren noch einen Uebergang nach Barro da Lagoa. Hier hausen wir zwei Tage in einer Jugendherberge wo hauptsaechlich Surfer und andere coole junge Leute einquartiert sind, die bis morgends um etwa 4 Uhr Parties feiern...Wir fuehlen uns alt :-) . Dieser Strandort ist aber wohl doch der Richtige um sich so richtig schoen fuer die Weiterfahrt zu ruesten.

Sonntag, 10. April 2011

Santos - Itenhaém - Miracatu - Jacupiranga - Curitiba

An Katja´s Geburtstag kann die Reise losgehen. Die ersten Kilometer koennen wir den Strand-Veloweg benuetzen und sehen staendig aufs Meer. Schon jetzt macht sich der Vorteil des Radreisens bemerkbar, dass man das Land mit allen Sinnen erfahren kann...Meeresrauschen, Fleischgeruch,....

Erste Pause am herrlichen Strand von Santos
Gleich beim ersten Mittagessen wird uns Verschiedenstes zusammen aufgetischt: Fleisch, Reis, Pommes, Bohnen, verschiedene Gemuese.
Ende Santos verlassen wir den Strandweg und fahren das erste Mal auf dem Highway. Als gaenzliche Greenhorns ist dies eine ziemlich gefaehrliche Angelegenheit. Gluecklicherweise hat´s hier wenigstens einen Seitenstreifen, wo wir etwas vom dichten Verkehr geschuetzt sind. Das Gefaehrliche sind vor allem die Ein- und Ausfahrten, da man dort von den Motorfahrzeugen richtiggehend abgeschossen werden kann. Wir machen die Erfahrung, dass die parallel verlaufenden kleineren Strasse eher noch gefaehrlicher sind als Highways, da aus Seitengassen unberechenbar Fahrzeuge hervorschiessen. Prompt sehen wir gleich am ersten  Tag einen Velofahrer, der von einem Auto erfasst wird...gluecklicherweise nicht schnell...er steht unverletzt wieder auf.
Da diese ersten Erfahrungen mit dem brasilianischen Verkehr recht anstrengend sind, suchen wir uns schon nach 60km eine Poussada in Itenhaém. Die Gastgeberin freut sich ueber die unerwarteten Gaeste (Nebensaison) und behandelt uns zuvorkommend.

Am zweiten Reisetag geht´s vom Meer weg in Richtung Curitiba. Der Highway ist jetzt viel angenehmer zu befahren, da selten Ein- und Ausfahrten und gute Seitenstreifen - eine erleichternde Erkenntnis. Die Strasse wird gesaeumt von Bananenplantagen. Am Mittag essen wir erstmals die hier staendig anzutreffenden Burger -  Burger und Pommes zusammen fuer umgerechnet CHF 3.00! In Miracatu finden wir ein bezahlbares Hotel. Wir haben uns entschlossen, die ersten Wochen unserer Reise noch in guenstigen Hotels und Pensionen zu verbringen - erstens, da die Umstellung vom Bueroalltag zum Veloalltag schon genuegend gross ist, zweitens konnten wir noch keine Zeltplaetze ausmachen und Wildzelten resp. in Gaerten von Brasilianern haben wir auf spaeter verschoben.
Stetiges Radfahren gibt Durst!
Am dritten Reisetag sind die Strassenverhaeltnisse weiter angenehm, doch machen uns die unerwartet hohe Temperaturen etwas zu schaffen. Teilweise steigt das Quecksilber am spaeten Morgen schon auf 30°C.
Kaum zu glauben auch, wieviele Trucks auf den brasilianischen Highways verkehren - offenbar gibt´s kein flaechendeckendes Gueterzugssystem. Die Trucks brettern mit meist ueberhoehter Geschwindigkeit an uns vorbei und hupen freundlicherweise immer gleich neben uns und fahren vielfach cm-knapp an uns vorbei - etwas ein gewoehnungsbeduerftiges Fahren.
Nachdem wir von der brennenden Sonne halb gebraten worden sind, finden wir in Jacupiranga eine Uebernachtungsstaette.

Bisher wussten wir in etwa immer, wo wir schlussendlich landen wuerden...am vierten Reisetag aber nicht. Wir wissen lediglich, dass wir es wohl nicht nach Curitiba schaffen werden. Die Strasse steigt heute stetig an - Curitiba liegt schliesslich auf 934 Metern ueber Meer. Wir sehen heute gleich 3 umgekippte Trucks - ein Resultat der ruecksichtslosen Fahrweise, die sich offenbar im Bussiness etabliert hat.
Als wir abends um vier in einem Lanchonete (Burgerschuppen) nach dem naechsten Hotel fragen, gibt man uns 20 km an. Kurz nach diesem Halt faengt es mit unglaublicher Intensitaet zu regnen an - es blitzt und donnert. Bei der naechsten Abfahrt rutscht Katja auf einem Geschwindigkeitsmesskabel aus - durch die verregnete Brille sieht sie nur wenig - wir entschliessen uns, beim naechsten Haus zu fragen, ob wir im Garten unser Zelt aufbauen duerfen. Wir uebernachten schliesslich auf der Veranda und werden liebenswuerdigerweise von der sehr einfach lebenden Familie zu Dusche und Essen eingeladen.


Nebellandschaft nach Gewitternacht
Am Morgen des 5. Reisetages fahren wir frueh los und geniessen spaeter nach der nicht sehr erholsamen Nacht das Sonntagszmorgae-Buffet eines Truck-Stopps - alles was der Magen begehrt. Wir fahren immer noch hauptsaechlich aufwaerts, was sich auch an der sich aendernden Vegetation zeigt: Anstatt der Bananenplantagen herrschen mittlerweile die Araukarienwaelder vor.
Am Abend erreichen wir die Stadt Curitiba, wo wir unsere ersten zwei Pausentage verbringen wollen. Curitiba ist sehr radfreundlich und wir koennen mit dem Velo ohne Probleme ins Zentrum vorstossen. Am Abend gehen wir lediglich noch Burger essen und dann gleich ins Bett...wir gehen meist schon um 21.00 Uhr ins Bett. Das taegliche Radfahren erfordert gute Erholung in der Nacht.

Unser Stamm-Burgerschuppen in Curitiba
Den Curitiba-Aufenthalt nutzen wir vor allem fuer Erledigungen wie Waesche, E-Mails, Einkauf, etc. . Es bleibt aber auch etwas Zeit, um die schmucke Stadt zu besichtigen - sehr empfehlenswert!
Curitiba´s Altstadt: Sehr viel Charme!

Montag, 4. April 2011

Sao Paulo - Startort Santos

Morgens um 4 gehen wir per Shuttle zurueck zum Flughafen und von dort mit dem Bus u.a. ueber Hoehenstrassen mit wunderschoener Aussicht zum Startort Santos.

Wir entschliessen uns, die Velos gleich am Busbahnhof zusammenzusetzen, da dieser uebersichtlich ist -  eigentlich haben wir gar keine Alternativen, da wir weder unsere Taschen von Hand schleppen, noch ein Taxi nehmen wollen.

Zusammenbau der Velos am Busbahnhof 
Einpacken war muehevoller...
Das Zusammensetzen der Velos und der Anfang der Reise geht ohne groessere Probleme vonstatten. Wir schmelzen fast in den ueber 30°C. Auch mein zweiter Veloschuh taucht zum Glueck noch auf. Schuhe mit Cleats haette man in Santos wohl nicht so leicht gefunden und ohne Cleats ist das Fahren schon einiges anstrengender.

Dank Katjas Recherchen am Busbahnhof und der auffallenden Hilfsbereitschaft der Brasilianer (man braucht lediglich die Karte zu zuecken, schon steht jemand neben einem und fragt, was man suche) finden wir schon bald eine geeignete Uebernachtungsmoeglichkeit.

Baeriswil - Amsterdam - Sao Paulo

Da unser Flug bereits am 4. April um 7.00 Uhr geht, fahren wir mit dem Zug direkt von Fribourg an den Flughafen Kloten.

Aufbruch vom Bahnhof Fribourg
Umringt von Gepaeck & Velos am Flughafen
So koennen wir Gepaeck und Velos am Vorabend aufgeben und gemuetlich bei meinen Eltern uebernachten, welche uns dann fruehmorgens zum Flughafen bringen.
Der Flug ist angenehm. Katja schaut sich 4 Filme an, ich nur 3 ;-) . Verpflegt werden wir auch vorzueglich von KLM. Mit einem kleinen Flieger gehts nach Amsterdam. Im Flieger treffe ich noch meinen ehemaligen Nachbarn Paul von Winterthur ...welch ein guter Zufall. Von Amsterdam gehts dann mit einem grossen Flugzeug weiter nach Sao Paulo. Wir sind, als mein Velokarton ziemlich weit aufgerissen und auf den ersten Blick nur einer meiner losen Veloschuhe sichtbar ist (alles andere hatten wir mit Schnellspanner aneinander festgezurrt - wohlweislich offenbar). Das Gepaeck erhalten wir ohne Probleme.

Wir hatten uns in der Schweiz schon entschlossen, die erste Nacht in Sao Paulo zu verbringen, um die Busfahrt nach Santos (Kuestenort) am naechsten Tag in Angriff zu nehmen. Vom Velofahren in Sao Paulo wurde uns abgeraten. Das Hotel in Sao Paulo hatten wir schon von zu Hause aus gebucht und uebers Internet bezahlt. Wir nehmen den Hotel-Shuttle-Bus. Der Chauffeur baut fast einen Unfall, doch schliesslich kommen wir heil an. 

Im Hotel allerdings weiss niemand etwas von unserer Reservation ueber Hotels.com (es ist 20.00 Uhr irgendwo im Aussenbereich der Grossstadt Sao Paulo, wir sind hundemuede) - dieser Schock sitzt. Wir stehen also mit unseren Velokartons und Gepaeck in der Hotellobby und aufgrund eines Festes sind alle Zimmer  ausgebucht. Es laesst sich auch kein anderes Hotel auftreiben. Das Hotelmanagement sieht dies nicht als ihr Problem und will von uns noch Geld verlangen, um ueber Internet und Telefon Hotels.com zu kontaktieren. In der Schweiz koennen wir diese Firma sowieso nicht erreichen, da es dort Nacht ist, die brasilianische Nummer funktioniert nicht. Nach langem Kampf bietet uns der Receptionist das Zimmer des Hotelmanagers an...wir muessten dafuer allerdings nochmals bezahlen. Wir weigern uns, nehmen das Ledersofa in der Hotellobby in Beschlag und uebernachten gratis darauf :-) (Das Geld bekamen wir von Hotel.com spater wieder zurueck)
Das Gute ist, dass es eigentlich nur noch besser werden kann...