| Spanisch-Untericht bei der sympathischen Majo |
Nichts und niemand sieht danach aus, als wuerde das Institut naechstens schliessen. Ich erfahre, dass wir nicht richtig informiert worden sind: Das Institut ist bis um 14.00 Uhr geoeffnet. Schliesslich werden mir meine gesuchten Karten ausgedruckt. Da dies inklusive Bezahlung doch einige Zeit in Anspruch nimmt, nehme ich fuer den Rueckweg auch ein Taxi. Nach meiner Rueckkehr ist Katja erleichtert, hat sie mich doch etwa eine halbe Stunde frueher zurueckerwartet.
Zu allem Ueberfluss beginnt es jetzt auch noch zu regnen. Unser Tagesziel, vollstaendig aus Buenos Aires rauszukommen rueckt weiter weg.
| Abfahrt aus Buones Aires im Regen |
Am naechsten Tag kommen wir ueber die Autobahn endlich wieder raus aufs Land. Wir fuehlen uns richtig frei. Das Schoenste am Flachland ausserhalb von Staedten ist, dass der Himmel offen ist, also weder von Bergen, Huegeln, Hochhaeusern oder anderen Objekten "eingeschraenkt" wird.
Unterwegs gehen wir in einem Tankstellenrestaurant einen Kaffee trinken. Wir werden von einem aelteren Ehepaar angesprochen. Sie laestern ueber die aktuellen Politiker und prophezeihen uns, wo auf unserer Route es am schoensten sein wird. Sie haetten schon das ganze Land bereist. Wir werden ab und zu angesprochen und nicht selten ueberkommt uns das Gefuehl, dass in Argentinien bei einer solchen Veloreise von Einheimischen Parallelen zur Motorradreise ihres grossen Che Guevara gezogen werden. Dies kann man auch an der Begeisterung erkennen, die uns jeweils auf den Strassen entgegengebracht wird. Die Leute winken uns, heben den Daumen und rufen uns "Suerte" oder "Buon viaje" zu. Fuer Leser, welche auf einfache Weise mehr ueber die lange Motorradreise des jungen Che erfahren wollen, kann der Film "The Motorcycle Diaries" empfohlen werden.
Heute uebernachten wir in einer Provinzstadt namens Zarate. Hier in der Naehe stehen wichtige Industrien, wie die Brauerei des "Quilmes", Bier der Nation, oder die Herstellungsstaette des beliebten Pickups "Hilux" von Toyota.
| Leider zu wenig Sprungkraft... |
Unterwegs sehen wir seit mittlerweile hunderten von Kilometern staendig Wahlplakate und Wahlsprayereien - dies fuer Praesidentschafts-Wahlen, die erst im Oktober stattfinden...unglaublich. Nachdem wir aus Buenos Aires kommen, wo nicht wenige Leute ihr Essen aus den Abfallcontainern fischen, tauchen beim Anblick dieser Wahlpropaganda auch bei einem Nicht-Che Guevara Fragen auf.
Dank Katja's Orientierungssinn finden wir am naechsten Morgen schnell aus Zarate raus und starten zur mit 149km zweitlaengsten Etappe unserer bisherigen Reise.
| Morgendliche Abfahrt aus Zárate |
Kurz vor unserem Tagesziel St. Nicolas de Los Arroyos sehen wir einen idyllischen Zeltplatz an einem Fluss - diese Gelegenheit nutzen wir, nicht zuletzt auch zur Budget-Sanierung.
| Nachtlager kurz vor San Nicolás |
Die Ruta 9 fuehrt uns direkt ins Stadtzentrum. Auch wenn ein Seitenstreifen, wo ueberhaupt existent, in schlechtem Zustand oder mit hinterlistigen Asphalt-Buckeln versehen ist, kommen wir verhaeltnismaessig leicht per Velo in die Grossstadt. Die Orientierung wird einem in diesen Staedten einfach gemacht, da die Strassen in einer rechtwinkligen Matrix angeordnet sind. Die Strassennamen sind auch immer etwa die gleichen: "Entre Rios", "Montevideo", "Paraguay" - um nur einige zu nennen. Katja und ich sind bei der Suche von Adressen ein gutes Team - waehrend sie meist das vertiefte Kartenstudium vorzieht, quatsche ich die Leute an und lasse mir den Weg erklaeren. Diese Informationsbasis war bis jetzt noch immer zielfuehrend. Katja's GPS-Geraet ist eher auf dem Lande wertvoll, da es keine Karte, sondern lediglich eingespeicherte Punkte und einige wenige geographische Informationen wie Fluesse anzeigt.
Die Hostelsuche gestaltet sich trotz vorbereiteter "Abklapperungsliste" etwas schwieriger, da unser Favorit besetzt ist und bei anderen Preis oder anderes nicht stimmen. Wir haben uns (solange moeglich) gegen Reservationen entschieden - erstens, da man die Ankunft an einem Ort nur zu einem gewissen Grad voraussagen kann und noch mehr, weil man Preis/Leistung in der Regel erst vor Ort verlaesslich erkennen kann. Der Fragenkatalog beim Betreten eines Hotels/Hostels hat sich seit Anfang Reise schon merklich erweitert. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass zum Beispiel die Frage nach heissem Wasser zum Duschen oder jene nach der Zusammensetzung und Menge des Fruestuecks keineswegs fehl am Platz ist. Wird weniger geboten, ist dies fuer eher unkomplizierte Leute wie uns selten ein Problem. Wichtig ist aber, dass sich dieser Mangel dann auch im tieferen Preis niederschlaegt.
Rosario hat uns als Stadt positiv ueberrascht. Klar gibt es in solchen Grossstaedten immer auch viel zu viel Elend, doch bietet Rosario ein schmuckes Stadtzentrum mit Parks, Denkmaelern (zum Beispiel das Geburtshaus des Che Guevara oder das Bandera-Monument), Restaurants, haufenweise gemuetlicher Cafés und mit der "Córdoba" eine attraktive Einkaufsstrasse.
| La Bandera-Monument in Rosario |
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