Montag, 23. Mai 2011

Colonia del Sacramento - Buenos Aires

Mit der Faehre setzen wir von Colonia del Sacramento nach Buenos Aires ueber. Wir haben uns entschlossen, hier eine 1-woechige Pause einzulegen, um unsere Koerper nachhaltig erholen zu koennen und um die spannende Stadt kennenzulernen.

Buenos Aires ist gigantisch gross. Schon beim Ansteuern des Hafens mit der Faehre bietet sich uns folgender Anblick:
 
 

Zahlreiche monumentale Gebaeude unterstreichen den kosmopolitischen Charakter der Stadt. Hier einige Beispiele: 

Kongresshaus
Regierungsgebaeude
Obelisk auf der Plaza de la República
Juristische Fakultaet
Staedtische Legislatur
Neben den pompoes grossen Bauten vermag das kleinste Haus von Buenos Aires auf andere Weise zu beeindrucken. Eine argentinische Legende besagt, dass dieses Haus bei Abschaffung der Sklaverei von einem Herrn fuer seinen ehemaligen Sklaven erbaut worden ist.

Kleinstes Haus von Buenos Aires (r.)
Auf Bildern zu Buenos Aires sieht man haeufig das farbige Boca-Quartier. Die Tradition der farbigen Haeuser hat ihren Ursprung in der Seefahrt. Frueher als die Schiffe gestrichen wurden, verwendeten die Hafenarbeiter die Farbresten fuer den Hausanstrich.







Der touristische Teil des Boca-Quartiers ist leicht als solcher erkennbar: An Marktstaenden werden Souvenirs verkauft, Tango-TaenzerInnen und ein Maradona-Double lassen sich gegen Bezahlung als Photoobjekte ablichten, Restaurants verkaufen kulinarische Spezialitaeten...

Etwas im Hintergrund ist die Cancha (Fussballstadium) der bekannten "Boca Juniors" erkennbar. Auch Maradona hat frueher fuer diese Mannschaft Tore erzielt.


Da wir bei unserer Suedamerikareise auch unsere Spanischkenntnisse etwas verbessern wollen, nehmen wir in Buenos Aires einen Sprachkurs. Gluecklicherweise finden wir eine kompetente Lehrerin, die uns mit ihrer aufgestellten Art die wichtigsten Eckpunkte der Sprache naeher bringt. Von ihr erfahren wir auch mehr ueber den Alltag in Buenos Aires und bezueglich der Cliches und Eigenschaften der Argentinier.

Buenos Aires hat aus der Vergangenheit starke Einfluesse von Italien. Das Quartier mit den meisten Gruenanlagen heisst zum Beispiel "Palermo". Dort tummeln sich tagsueber unter anderem zahlreiche Hundesitter mit ihren Schuetzlingen.

Hundesitter 
 
Japanischer Garten im Palermo-Quartier

Palermo-Quartier
Wenn man anstatt eines spanischen Wortes mal ein italienisches erwischt, wird man in der Regel in Buenos Aires trotzdem noch gut und gerne verstanden.

Buenos Aires hat wie jede Stadt auch Schattenseiten. So trifft man vor allem spaetabends vielerorts Menschen, deren Armut so gross ist, dass sie die rumstehenden Kehrichtsaecke aufreissen, um nach Essen oder verwertbaren Gegenstaenden zu suchen.

Wie Uruguay ist auch Argentinien eines der bedeutendsten Laender des Mate-Tee. Die genaue Herkunft des Mate-Tee ist in den Mate-Laendern umstritten. Hier in Buenos Aires sehen wir etwas weniger Leute mit Mate-Gefaess und Thermoskanne rumspazieren als zum Beispiel in Montevideo, das Getraenk ist aber sehr verbreitet.

Mate-Tee verbindet
Unser Bed & Breakfast liegt in der Naehe des bekannten San Telmo-Quartiers.
In San Telmo gibt es jeweils am Sonntag einen Markt, der von Touristen, aber auch von Einheimischen besucht wird. Neben den Marktstaenden zeigen Tango-Paare ihr Koennen.
Im Bed & Breakfast treffen wir ein Paar aus Deutschland, welches sich 3 Jahre Zeit genommen hat, um per Velo Suedamerika und einige asiatische Laender zu erkunden. Wow! Viel Spass kann man da nur wuenschen!

San Telmo sonntags: Markt

Tango ist fuer Junge...





...und Junggebliebene
Im Recoleta-Quartier liegt der bekannte Recoleta-Friedhof, wo nur Reiche, Schoene und sonst Beruehmte begraben liegen, so auch Evita Perón. Auf den Daechern der Grabmaeler sind mancherorts Katzen zu entdecken - Leichenwache oder einfach nur Sonnenanbeter?

Recoleta Friedhof
In unserem Bed & Breakfast wird jeweils freitags eine typisch argentinische Asada veranstaltet. Mit anderen Worten versammelt sich eine froehliche Gesellschaft und verspeist kiloweise koestliches Grillfleisch. Dazu gibts das beliebte Quilmes-Bier und heisse Rhytmen ertoenen im Hintergrund. Hier laesst sich auch schnell erkennen, wer SuedamerikanerIn ist und wer nicht. Erstere koennen schon nach dem ersten Takt Musik ihre Schenkel kaum mehr stillhalten und werden fidel, waehrend unsereiner dem Treiben lieber etwas passiver zuschaut.




Sonntag, 15. Mai 2011

Kartenansicht Route Uruguay

Montevideo- San Jose de Mayo- Colonia Nueva Helvecia- Colonia del Sacramento

Skyline von Montevideo
Wir beschliessen, auf dem Weg nach Colonia einen kleinen Umweg zu fahren, um das kleine Provinzstaedtchen San Jose de Mayo zu besuchen. Dieses soll gemaess Fahrradfueher den Umweg von 25km bei weitem rechtfertigen. Kurz bevor wir in San Jose ankommen, holt uns ein Mountainbikefahrer ein. Es ist Aldo, Polizist von San Jose, der gerade sportlich seinen arbeitsfreien Tag geniesst. 


Er begleitet uns bis vor eine kleine Pension, welche anscheinend die guenstigste in der Stadt sein soll. San Jose hat einen schoenen Park und eine sehenswerte Kirche.


Diese Stadt vermag uns zu begeistern. Nach Dusche und City-Tour geniessen wir auf einer Terrasse die letzten Sonnenstrahlen bei einem Cappucino.

Am Folgetag stehen wir frueh auf und machen uns trotz Nebel gutgelaunt auf den Weg.


Die Strasse fuehrt durchs huegelige Hinterland. Es hat wenig Verkehr und viele Bauernhoefe. Nach 20km wechselt die Asphaltstrasse zu einer Kiespiste und wir werden stutzig. Als wir bei einem Bauernhof nachfragen, erfahren wir, dass wir ausgangs San Jose die falsche Abbiegung gewaehlt haben. Eigentlich haette uns dies schon lange auffallen muessen, verfuegen wir doch ueber GPS und Karte. Entweder waren wir noch nicht ganz wach, so fasziniert von der reizvollen Nebellandschaft,...oder einfach nur strohbloed :-) . Veraergert fahren wir wieder zurueck und nehmen dieses Mal die richtige Abbiegung. Aldo, dieses Mal am Steuer eines Polizeiwagens, faehrt an uns vorbei und winkt. Da unsere Magen bereits knurren, legen wir einen Halt ein und essen einen koestlichen Zmittag. Dieser motiviert uns, die Etappe nach Nueva Helvecia mit einem zweiten Anlauf in Angriff zu nehmen. Dieser Ort mit 10'000 Einwohner ist von Schweizern gegruendet worden. Die Bushaltestellen und einige Haeuser tragen die Wappen der Kantone. Weiter bieten einige Restaurants Spezialitaeten aus der Schweiz an. Die Schweizer Wurzeln dienen nicht zuletzt auch als Touristenmagnet.


Als wir vor der Touristeninfo anhalten, kommt ein Motorradfahrer auf uns zu. Er gruesst und stellt sich als Thomas vor. Von wo wir kommen und wohin wir fahren, moechte er wissen. Er sei Radioreporter, und will uns gleich interviewen. Nach mehr als 100km ist unsere Reaktionszeit etwas zu lange - bevor wir unsere Spanischbrocken zu einer freundlichen Ablehnung zusammenkruemmeln (Thomas spricht weder Englisch noch Deutsch), hat er schon ein Minimikrophon zusammengesteckt und beginnt mit der Aufnahme der Sendung. Ein einheimischer Velohaendler kommt hinzu und schmueckt das Interview noch etwas mit Kommentaren in fliessendem Spanisch. Die Sendung kommt noch am gleichen Abend um 21Uhr ueber den Aether. Thomas wollte uebrigens im Interview wissen, in was sich Nueva Helvecia und die Schweiz gleichen. Leider (vielleicht auch zum Glueck :-)  ) wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht Bescheid ueber die Preise von Hotels und Pensionen - haetten wir hier wohl sonst gesagt: "Besonders die Preise!". Jemand, welcher Schweizerdeutsch gesprochen hat, haben wir waehrend unseres allerdings kurzen Aufenthaltes nicht getroffen. Wir beschliessen, die ueberrissenen Preise nicht zu zahlen und im Park eingangs Stadt zu zelten. In der neben dem Park liegenden Polizeistation wird uns dies erlaubt - so gut bewacht haben wir noch selten uebernachtet :-) .

Heute werden wir in Colonia del Sacramento ankommen, der letzte Ort von Uruguay, welchen wir vor dem Uebersetzen mit der Faehre ueber den Rio de la Plata nach Buenos Aires besuchen.
Auf diese Kleinstadt haben wir uns schon lange gefreut.


Die historische Altstadt von Colonia del Sacramento gehoert zum Unesco Welterbe und soll sehr schoen sein. Wir finden ein preiswertes, geraeumiges Zimmer mit riesigem Balkon. Es gehoert zu einer Jugendherberge, ist jedoch ein Appartement auf der anderen Strassenseite. Somit haben wir unsere Ruhe und koennen trotzdem bei Bedarf die Einrichtung der Jugendherberge benuetzen. Wir entscheiden, 2 Tage hier zu verbringen - unter anderem um unsere Velos zu warten. Da wir nun ueber 2500km gefahren sind, haben unserer Ferraris ein wenig Pflege noetig.  
Die Stadt erfuellt unsere Erwartungen...wir lassen Bilder sprechen:











Zum Schluss noch ein paar hundige Schnappschuesse: :-)


Samstag, 14. Mai 2011

Atlantida - Montevideo

Fahrt nach Montevideo

Charakteristisches Landschaftsbild



Am fruehen Nachmittag kommen wir in Montevideo an und finden nach dem dritten Anlauf ein Hotel, welches unseren Anspruechen genuegt und zahlbar ist. Nach einer wunderbaren warmen Dusche, was hier keine Selbstverstaendlichkeit ist, machen wir uns auf in die Stadt. Montevideo ist die Hauptstadt von Uruguay, macht jedoch nicht den Eindruck einer Grosstadt. Das Zentrum und die Altstadt sind gut zu Fuss zu erkunden. Es hat einige gruene Platze und Strassencafes, genau das Richtige, um zwei Tage Pause zu machen.

Arbeit verbunden mit Vergnuegen
Altstadt
Schulkinder in Uruguay tragen alle diese Uniformen
Waehrend diesen Tagen verwoehnen wir uns so richtig. Bereits in Brasilien war ich begeistert von den Konditoreien, doch die in Uruguay topen diese um einiges. Dazu gibt es noch guten Kaffee, kein Wunder, dass wir jeden Tag der Versuchung erliegen.

Natuerlich wollen wir auch ein typisches uruguayisches Menu und Wein  probieren. Also gehen wir in ein Grillrestaurant. Dort werden Unmengen von Fleisch ueber einem grossen Feuer grilliert. In Uruguay existieren nebst den Fastfoodbuden nur Grillrestaurants oder Pizzerien.
Mutig bestellen wir die Spezialitaetenplatte des Hauses. Serviert wird das Fleisch mit Salat, Letzteres jedoch sehr eng bemessen.  Als die Platte vor uns steht, schlucken wir zuerst einmal leer und beginnen zu essen. Es sind naemlich nebst Wuersten und einem Lammstueck vor allem Innereien, Blutwurst und Leber. Tapfer, bis auf zwei undefinierbare Stuecke, essen wir alles auf. 
Auch das Shoppen darf nicht fehlen. Die Uruguyaner scheinen grossen Wert auf Kunst zu legen und foerdern ihre Kuenstler. Sie haben im Zentrum von Monteviedeo einen grossen Laden eingerichtet, wo die verschiedensten Sachen zu bewundern und zu einem vernuenftigen Preis zu kaufen sind. Die Kuenstler sind ebenfalls anwesend. Felix kauft sich ein Tagebuch, welches in Leder eingebunden ist. Bei diesen grossen Rinderherden ist Leder in Huelle und Fuelle vorhanden.

Auch ich nehme ein Souvenir von Montvideo mit - voellig kostenlos. Nach einer gemuetlichen Pause auf einem blauen Parkbank ist meine Hose ploetzlich frisch gestrichen.

Montag, 9. Mai 2011

Punta del Diablo - Rocha - Punta del Este - Atlantida - Montevideo

Den Ruhetag in Punta del Diablo nutzen wir unter anderem, um unser Material auszulueften und vollstaendig zu trocknen. Das Zelt hat am Morgen nach Gebrauch immer noch etwas Kondenswasser unter der Aussenhuelle, wenn wir es verpacken. Die Daunen-Schlafsaecke und Matten sind waehrend des Tages engstmoeglich zusammengezurrt.

Punta del Diablo ist in der Saison wohl ein cooler Surf-Ort, in der Nebensaison aber geeignet, um einfach etwas die Seele baumeln zu lassen...am Sandstrand entlangzuschlendern und sich ab und zu etwas kuehles Nass zu goennen. Herrenlose Strassenhunde folgen uns staendig auf Fuss, was wir anfangs noch lustig finden, was aber mit der Zeit auch etwas nervt.

Nach Punta del Diablo haben wir unsere kleinen finanziellen Vorraete an uruguayischen Pesos aufgebraucht, sind deshalb gezwungen, im Provinzort Castillos eine Bank aufzusuchen. Beim Betreten der Bank waehne ich mich in einer Zeitmaschine - die Schalter sind mehr oder weniger offen - aber nein, es scheint keine Rohrpost zu geben...im Hintergrund wird Geld gezaehlt, dies alles sichtbar fuer die Klienten. Auch die Tresortueren sind vom Schalter aus sichtbar. Ein Mann mit kugelsicherer Weste betritt die Bank, begleitet von einem Polizisten mit Pump Action-Gewehr. Er bringt einen Beutel mit Wertpapieren - wiederum alles sichtbar fuer alle Anwesenden. Mich ueberkommt das Gefuehl, als kaeme naechstens ein Bankraeuber durch die Eingangstuere.

Wieder mit etwas Geld im Sack hoeren wir auf einmal unseren knurrenden Magen. Das Schild "Plato del Dia ALBONDIGAS Dulces y Salados $110" spricht uns an, obwohl wir nicht genau wissen, was uns da erwartet - vielleicht auch des Preises wegen. Nach nicht allzu genauem Studium des Schildes gehen wir davon aus, dass es sich um ein Menu mit Salat und Dessert handelt - der Hunger kann einem zum Schildbuerger machen. Es erstaunt uns nicht wenig, als die Wirtin fragt: "Dulce o salado?" "Na ja", denken wir, "dann muss man sich halt fuer Salat oder Dessert entscheiden". Um von beidem etwas zu haben nimmt also Katja "salado" und ich "dulce". Bevor irgendein Salat erscheint, bekommen wir Reis und Hackfleisch aufgetischt. "Andere Laender, andere Sitten", raunen wir uns zu. "Sicher kommt bei denen der Salat erst etwas spaeter". Ich bemerke gegenueber Katja, dass mein Gericht ziemlich suess sei...ja, fast schon wie bei Suit & Sour. Sie findet dazu, sie finde es eigentlich eher salzig...vielleicht mit sehr viel Phantasie koennte man es als sehr leicht suesslich bezeichnen. Die Schuppen fallen uns aber dann erst von den Augen, als die Wirtin nach dem Essen die Karte bringt. Ich frage sie naemlich, ob ich irgendeinen Dessert auswaehlen koenne. Katja fragt, ob sie denn keinen Salat mehr bekomme? Die arme Frau schaut uns etwas verwirrt an und dann lachen wir uns gegenseitig in Gesicht. Es handelt sich um ein Gericht, dass suess (dulce) oder salzig (salado) serviert wird - je nach Wunsch halt eben.

Die Landschaft hat sich seit der brasilianischen Grenze stark veraendert. Die Vegetation besteht jetzt haupsaechlich aus Wiesen, Bueschen, Eukalyptus-Gruppen und Palmen.