Wegen meinen Verdauungsproblemen bleiben wir einen Tag laenger als geplant in Oruro und starten am Sonntag. Die Stadt zu verlassen stellt nicht weiter ein Problem dar, doch der Wind ist schon am Morgen stark und blaest uns ordentlich entgegen.
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| Das Land wird bis zuoberst an den Huegeln bewirtschaftet |
Nachdem wir den Himmel eigentlich seit langem nur noch als blau kennen, stellen sich heute je laenger je mehr Wolken ein. Am spaeteren Nachmittag brechen wir die Tagesetappe nach nur 57km ab. Aufwand/Ertrag stehen bei diesem Wind in keinem Verhaeltnis. Bei einem Lagunendorf fragen wir eine Geisskaeseverkaeuferin, ob wir hinter der benachbarten Erdhuettenruine unser Zelt aufschlagen koennen. Nach ihrer Zusage stellen wir uns der Herausforderung, das Zelt bei starkem Wind aufzustellen - mit Haenden und Fuessen gelingt es uns, das Zelt aufzustellen, bevor es vom Wind davongetragen wird. Das laute Flattern der Zeltwand im Wind beschert uns eine laute Nacht, doch nach diesem anstrengenden Tag gewinnt unsere Muedigkeit gegen den Laerm. Am naechsten Morgen ist der Wind wohl schwaecher, doch leider immer noch praesent. Katja's Moral steht in einem engen Verhaeltnis mit den Windverhaeltnissen. Als der Wind am Nachmittag die Schmerzgrenze ueberschreitet, quartieren wir uns nach harterkaempften 54km in Sica Sica in einer einfachen Herberge ein. Der fruehe Feierabend hat auch Vorteile. Wir entdecken naemlich beim Absatteln unseres Gepaecks, dass beim Rueckrad von Katja's Velo eine Speiche gebrochen ist. Ich mache mich also gleich an die Reparatur und wechsle bei dieser Gelegenheit auch gleich Vorder- und Hinterreifen untereinander aus, damit diese laenger halten. Katja befreit Schaltung und Kette vom Staub und mit einigem Schmieren ist dann auch der 6000km-Service wieder Geschichte.
Am Abend laesst der Wind merklich nach und der klare Abendhimmel laesst auf angenehme Wetterhaeltnisse fuer den naechsten Reisetag hoffen. Das Angebot im Dorfrestaurant beschraenkt sich wiedereinmal auf Poulet, Kartoffeln und Reis. Alle Blicke der anwesenden sind gebannt auf einen flimmernden Fernseher gerichtet, wo eine uralte Krimikomoedie laeuft.
Wie erhofft bringt der kommende Morgen schoenes, windstilles Wetter und laesst uns schon um 7.15 Uhr starten. Motiviert radeln wir in Richtung La Paz.
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| Jedes noch so kleine Dorf hat eine Blasmusik |
Nachdem es im vorgesehenen Tagesziel keine Unterkunftsmoeglichkeiten gibt, und sowohl Tageszeit wie auch Wetterverhaeltnisse guenstig sind, steht der Weiterfahrt nichts im Wege. Etwa 50km vor La Paz wird die in den letzten Tagen meist eher karge Landschaft von blendendweissen Schneebergen bereichert.
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| Blick auf den 6462m hohen Illimani |
Auf einmal zeigen sich am Horizont glaenzende Flaechen, die sich kurz spaeter als Daecher der ersten Haeuser von El Alto herausstellen.
El Alto befindet sich auf 4100 m.ue.M. und ist mit fast 1 Mio. Einwohnern zweitgroesste Stadt von Bolivien. Nachdem wir einiges dieser staubigen Stadt durchquert haben, zeigt sich ein grandioser Blick auf La Paz, welches sich unterhalb von El Alto befindet. Diese zwei Staedte sind praktisch zusammengewachsen.
Nach 12km rasanter Abfahrt erreichen wir nach 130km La Paz.
Bolivien feiert am 6. August den Nationalfeiertag. Dies bedeutet Ausnahmezustand im Stadtzentrum fuer mehrere Tage. In Bolivien ist Blasmusik sehr verbreitet und jede Schule/Universitaet, welche etwas auf sich haelt, hat eine eigene Blasmusik. Diese Bands sorgen zusammen mit der Militaermusik dafuer, dass La Paz in der Nationalfeiertagswoche von Musik erfuellt ist.
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| Blasmusik einmal anders am Nationalfeiertag |
In La Paz machen wir mit einem Doppeldeckertouristenbus eine Stadtfuehrung. Wir lernen das gegensaetzliche La Paz kennen. Je tiefer die Meereshoehe, desto angenehmer das Klima und dementsprechend wohlhabender die Bewohner, was deutlich an den Hauesern und Laeden zu erkennen ist. In El Alto auf 4100m ueber Meer wohnen aermere Leute als im suedlichen Stadteil von La Paz, welches nur 3000m ueber Meer liegt.
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| Zebras sorgen auf den Streifen fuer mehr Verkehrssicherheit |
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| Diese Busse sind das wichtigste oeffentliche Verkehrsmittel |
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| Hexenmarkt: links oben haengen Lama-Foeten |
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| La Paz, eingebettet in eine unvergleichliche Bergwelt |
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| Die Haeuser von La Paz besitzen eine Vielfalt von Formen und Farben |
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| Valle de la Luna, ca. 13km suedlich von La Paz |
Ausflug Besteigung Huayni Potosí
Am 6. August beginnt das Abenteuer. 9.00 Uhr morgens gehen wir mit unserem Guide Alex unser Material fassen und fahren mit einem Taxi-Van bis zum Basis-Camp auf etwas mehr als 4700 m.ue.M. . Die Strasse ist ab Ende Stadt sehr holprig und wir kommen uns vor wie in einem Shaker. Olavo, ein 23jähriger Brasilianer reist mit uns und am nächsten Tag wird auch noch sein Guide dazustossen.
Nach dem Mittagessen im Basis-Camp bewaeltigen wir einen kleinen Aufstieg bis zum ewigen Eis, wo wir uns im Umgang mit Pickel und Steigeisen etwas ueben koennen.
Das Eisklettern macht eine Menge Spass, ist aber nicht zuletzt wegen unserer noch nicht ganz so ausgereiften Technik sehr anstrengend. Die Szenerie ist unglaublich schoen - rundherum sind 5000er und 6000er zu sehen. Am meisten beeindruckt sind wir vom Illimani, der erhaben wie ein Schloss in der Landschaft thront. Am Abend lernen wir im Basis-Camp die sympathischen deutschen Bergsteiger Dirk und Robin kennen. Sie sind Teil einer Expeditionsgruppe, die sich gleich mehrere 6000er innerhalb weniger Tage vorgenommen hat. Leider sind sie von Montezumas Rache gleich recht stark getroffen worden, weshalb die Expeditionsgruppe ohne sie ins High-Camp weiterreisen musste. Um nach dem Abendessen die Zeit zu vertreiben und Dirk und Robin etwas abzulenken, spielen wir den ganzen Abend UNO und Hearts.
Am zweiten Tag schlafen wir aus und wandern nach dem Fruehstueck ueber einen steinigen Pfad weiter zum High-Camp auf 5130 m.ue.M. .
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Traeger von Reiseveranstalter welche Essen und andere Waren tragen |
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| WC mit einem fantastischen Ausblick |
Dort haben wir die grosse Ehre, einen der beruehmtesten Bergsteiger der Welt (erster Bolivianer auf dem Mount Everest, weshalb er sogar bolivianische Briefmarken ziert) kennenzulernen. Es handelt sich um Bernardo Guarachi, der in der Funktion eines Guides morgen einen Oesterreichischen Touristen auf den Huayna Potosí begleiten wird. Da er seine Bergfuehrer-Ausbildung in Deutschland absolviert hat, spricht er sogar deutsch. Nach dem Mittagessen gehen wir ein erstes Mal schlafen. Nachher sind wir einige Stunden wach und gehen dann nach dem Abendessen um 18.30 Uhr vollends zu Bett. Wohlbemerkt muessen wir um 24.00 Uhr wieder aufstehen, da wir den Gipfel des Huayna Potosí zum Sonnenaufgang um 6.45 Uhr erreichen wollen.
Das Schlafen faellt uns nicht leicht, da die Zeit dafuer sehr ungewohnt ist, und im Massenschlag auch einige Gaeste schnarchen.
Nach Tagwache des dritten Tages packen wir uns in mehrere Schichten Kleidung, da es draussen bitterkalt ist. Nach einem kurzen Fruehstueck ziehen wir los. Guide Alex, Katja und ich bilden eine Seilschaft, Guide Eduardo mit Olavo die zweite Seilschaft. Mit Stirnlampen bewaffnet starten wir um 01.30 Uhr und arbeiten uns durch den gehaerteten Schnee. Anfangs pausieren wir nur sehr selten. Sobald wir anhalten, beginnen wir nach wenigen Minuten zu frieren. Die Snickers, welche wir als Zwischenmahlzeit mitgenommen haben sind steinhart und das Wasser in der mitgebrachten PET-Flasche weist schon nach kurzer Zeit Vereisungen auf.

Nach etwa drei Stunden Marsch tut sich seitlich der Blick auf das Lichtermeer der Millionen-Stadt El Alto auf - ein unvergesslicher Anblick. Da wir nicht sehr schnell steigen, haelt sich die Anstrengung erstaunlich in Grenzen und auch die Hoehe bereitet uns keine Schwierigkeiten. Kurz vor der Gipfelankunft erhoeht unser Guide das Tempo, was mich dann doch nach Atem ringen laesst. Bei Katja ist von Anstrengung nach wie vor wenig zu spueren.
Auf dem Gipfel erwartet uns eine herrliche Aussicht. Waehrend sich schon vor dem letzten Stueck der Himmel in einen fast kitschigen orange-roten Ton verfaerbt hat, wird puenktlich mit der Gipfelankunft um 6.45 Uhr der Feuerball Sonne sichtbar - erst rot, dann immer heller.
Auch der Blick auf die umliegende Landschaft ist unvergesslich. Neben den zahlreichen Gipfeln ist auch der Titicacasee sichtbar.
Nach etwas Verschnaufen und den obligaten Gipfelphotos treten wir den Abstieg an. Katja's Befuerchtungen, dass der Abstieg vom Gipfel ihr Schwierigkeiten bereiten koennte, bestaetigen sich nicht. Mit den Steigeisen schreiten wir in flottem Tempo dem High-Camp entgegen. Eine lustige Episode bietet sich noch, als Katja austreten sollte, was sich wegen Klettergurt mit Seil, zahlreichen Kleiderschichten und fehlernder Sichtdeckung als etwas schwierig herausstellt. Ich weise unseren Guide also kurzerhand an, sich umzudrehen, was er wie auf dem untenstehenden Photo zu sehen ist sehr woertlich nimmt.
Wie anstrengend die Tour war (vor allem der Abstieg), realisieren wir erst im High-Camp. Unser brasilianischer Kollege sucht sich sogar einen Gepaecktraeger, da er glaubt, seinen ueberschweren Rucksack nicht mehr bis ins Base-Camp tragen zu koennen. Da er dafuer niemanden findet, erbarmt sich unser Guide seiner und traegt neben dem eigenen Rucksack auch noch jenen von Olavo.
Das Erlebnis der Besteigung des Huayna Potosí endet mit unvergesslichen Erinnerungen und starkem Oberschenkel-Muskelkater in den drei darauffolgenden Tagen.
Ausflug Death Road
Am Morgen frueh fassen wir unsere vollgefederten Bikes und fahren mit einem Minibus nach La Cumbre auf 4700m ueber Meer.
Waehrend es hier noch schneebedeckte Berge und Lamas hat, geht es nun abwaerts durch alle Klimazonen Boliviens bis nach Yolasa auf 1100m ueber Meer.
Diese Straße durch den bolivianischen Regenwald gilt als eine der gefährlichsten Straßen der Welt.
Durch die raschen Höhenunterschiede und vielen Serpentinen wechselt das Klima ständig, sodass immer mit Nebel, Steinschlag, Feuchtigkeit und Schlamm gerechnet werden muss.
Im tiefen Dschungel angekommen, geniessen wir in einem malerischen Hotel ein Mittagessen, schwimmen im Pool bevor es mit dem Minibus auf der neuen Strasse zuerueck nach La Paz geht.