Samstag, 2. Juli 2011

Cafayate - Angastaco - Seclantás - Cachi - Cuesta del Obispo - Salta

Nachdem wir die Annehmlichkeiten von Cafayate ausgiebig genossen haben, geht's wieder weiter. Als naechstes grosses Ziel liegt Salta auf unserem Programm. Dorthin gibt es zwei Hauptrouten. Eine fuehrt durch das Valle de Lerma mit der bereits per Bus besichtigten Quebrada de las Conchas, der andere durchlaeuft unter anderem die bekannten Flechas und geht auch ueber den touristischen Ort Cachi. Wir waehlen Variante zwei, da wir die Hauptattraktion der ersten Route schon besichtigt haben und die zweite Variante mit den zahlreichen nichtasphaltierten Strassenabschnitten und dem 3400er-Pass ueber "La Piedra del Molino" ein gutes Training fuer unsere spaeteren Plaene ist.

In Dunkelheit und eisigen -4ºC fahren wir aus Cafayate los. Das noch vom Hostalzimmer erwaermte Velothermometer will nicht aufhoeren, die Temperaturanzeige staendig nach unten zu korrigieren. Da wir die Kaelte nicht in dem Ausmass erwartet haben, muessen wir unterwegs unsere Kleidung etwas aufstocken. Ein Schwachpunkt sind sicher die bei den Cleats nicht vollstaendig geschlossenen Veloschuhe. Hier kann man aber mit einer Kombination von warmen Socken und Windstopper-Socken gut Abhilfe schaffen.
Kurz nach der Gemeinde San Carlos hoert der Asphalt auf. Die Ruta 40 ist von nun an wohl noch befestigt, aber nur noch mit einem Kiesbelag versehen.
 
Gut befahrbare befestigte Strasse mit Kies
Das heisst, das ist, was wir gemaess Karte erwartet haetten. Anfangs stimmt dies auch noch weitgehend und das Fahren ist kein Problem. Spaeter jedoch besteht der Belag auf Streckenabschnitten von teilweise ueber 100m groesstenteils nur noch aus bis dezimetertiefem Sand. An solchen Stellen muessen wir unsere Raeder schieben, da dies schneller und mit weniger Anstrengung geht, als das Trampeln im tiefen Sand.

Zeitweises Schieben des Fahrrades wegen sandigem Belag
Wir durchqueren zahlreiche kleine Doerfchen oder Weiler, die teilweise auf unserer Karte nicht mal aufgefuehrt sind. Obwohl die Doerfer im "Footprint"-Guide richtigerweise als "unspoiled villages" gefuehrt sind, hat hier das globalisierte Leben auch schon Einzug gehalten. Auch bei einfachen Haeuschen sieht man vielfach eine Satellitenschuessel im Garten und einen Pickup oder haeufiger ein Motorrad vor der Tuere. Als Kontrast dazu habe ich in einigen Gaerten an der Waescheleine direkt neben der Waesche oder der auszulueftenden Matratze das ungegerbte, blutige Fell einer frischgeschlachteten Ziege beobachtet. Auffallend ist der fast ausnahmslos bedeutend bessere Zustand der Kapellen/Kirchen im Vergleich zu den Haeusern. Viele Haeuser wirken verlassen.

Sehr deutlich wird uns heute wieder mal vor Augen gefuehrt, dass "Wasser = Leben" keine leeren Worte sind. Um die Bewaesserungsgraeben waechst allerhand Gruenzeug. Wo nicht bewaessert ist die Landschaft sehr karg. Auch diese Kargheit besitzt jedoch ihren Reiz, wie man auf den Photos unschwer erkennen kann.
 
 Bewaesserungskanaele bringen Leben
Obwohl wir schon die Quebradas von Cafayate sehen durften, beeindrucken uns die orangen Felsen und das Licht-/Schattenspiel ueber ihre Ecken und Kanten noch immer. Als Junge habe ich etliche Buecher von Karl May regelrecht verschlungen. Waehrend wir mit dem Velo durch diese eindrueckliche Gegend fahren, kann ich mir lebhaft vorstellen, wie die Protagonisten der Karl May-Geschichten durch aehnlich markante Landschaften geritten sind. Da ich mir diese Kargheit der Umgebung nicht gewoehnt bin, kommt mir die Landschaft schon fast etwas unwirklich vor.

Nach den orangen Felsen mit eher rundlichen Formen wechselt das Landschaftsbild kontinuierlich zu eher grau-beigen, zackigen Felsen. Dazu gehoeren auch die sogenannten "Flechas", welche eine der Hauptattraktionen der gewaehlten Route sind.




Die heutige Etappe endet in Angastaco. Als wir das beschauliche, rausgeputzte und in eine unvergleichlich besondere Bergwelt eingebettete Doerfchen sehen, wundern wir uns, dass der Tourismus noch nicht staerker Einzug gehalten hat.

Aussichtspunkt kurz vor Angastaco mit Sicht auf Schneeberge
Angastaco (nach Kurve) ist von farbigen Felsen umgeben
Etwas ausgehungert gehen wir in den naechsten offenen Comedor ein Milanese Completa (Argentiniens Standardmenu: paniertes Schnitzel mit Pommes Frites) essen. Nach dem Essen unterhalten wir uns noch etwas mit dem Wirt und erfahren so per Zufall, dass wir uns bei der kommenden Etappe einiges an Muehe sparen koennen, wenn wir nach Molinos einen kleinen Umweg fahren. Damit koennen wir eine Huegelkette umfahren, welche auf der Ruta 40 mehr oder weniger schonungslos haette durchfahren werden muessen.

Am naechsten Morgen geht's einmal mehr im Dunkeln los, da wir schon einen Grossteil der Tageskilometer zurueckgelegt haben wollen bevor ein allfaelliger Mittagswind aufkommt.

Abfahrt von Angastaco in schwarzer Nacht
Das Fahrgefuehl ist auch besser, wenn man das Tagesziel ohne den Zeitdruck des abendlichen Eindunkelns erreichen kann. Die Kehrseite ist allerdings das nicht ganz einfach im Dunkeln zu befahrende Gelaende. Neben dem Zeitgewinn werden wir dafuer aber auch mit der traumhaften Morgenstimmung um die umliegenden Felsen belohnt.

Morgenstimmung nach den ersten Kilometer
Obwohl die Umfahrung des Comedor-Wirtes nicht auf unserer Karte eingezeichnet ist, vertrauen wir seiner Aussage und folgen nach Molinos nicht dem Schild mit dem Tagesziel Cachi, sondern biegen rechts ab. Als die Strasse immer weiter in die "falsche" Richtung fuehrt, werden wir doch etwas argwoehnisch und fragen Anwohner, ob man auf diesem Weg wirklich nach Cachi kommt - sicher ist sicher. Nach der positiven Antwort fahren wir weiter und langsam aber sicher wird uns mit einem Seitenblick auf die Huegelkette neben uns bewusst, was wir wohl dank des Tips vom Comedor-Wirt an Muehe eingespart haben. Seit Angostaco liegt zu unserer Rechten das Gebiet des Nationalparks "Parque National de los Cardones".
Eine Schrecksekunde gibt es, als Katja schon etwas ermuedet neben die Pedale steigt und sich an dieser eine leichte Prellung holt. Dies tut zwar kurzfristig weh, wird aber bald verheilen.

Auf der Karte haben wir da noch einen Ort vor Cachi entdeckt, wo wir jemanden fragen koennten, ob wir unser Zelt in seinem Garten aufstellen koennen. Seclantás ist auf unserer Karte mit der gleichen Schriftgroesse gefuehrt wie Angostura, einer Gemeinde, bei der wir kurz vorher durchgefahren sind. Dort gab es lediglich eine Kirche und etwa fuenf Haeuser. Wir machen uns also fuer Seclantás keine Illusionen ueber Uebernachtungsmoeglichkeiten. Umso ueberraschter sind wir, als wir um eine Ecke biegend ploetzlich ein richtiges Dorf sehen. In einem einfachen Spezialitaetenrestaurant essen wir ein Maisgericht und campen auf dem Campingplatz der Gemeinde.

Stilleben in Seclantás
Da Chachi in nur etwa noch 40 km Entfernung von Seclantás liegt, leisten wir uns am Folgetag eine spaete Abreise. An der Zeltdecke haben sich Eiskristalle gebildet. Wir stellen das Zelt also noch etwas an die Sonne und koennen es so dann einigermassen trocken einpacken.

Zeltplatz von Seclantás
Bei der heutigen Etappe ist ab Mitte Morgen die Strassenqualitaet weitgehend gut und die Strasse so angenehm zu befahren. Trotzdem kann man zum Beispiel beim Vorbeifahren eines Lastwagens vom aufgewirbelten Staub des unasphaltierten Grundes ganz schoen eingestaubt werden. 

Katja im Staub (schwarzer Punkt rechts)
Da wir wegen dem guten Strassenzustand schnell vorwaertskommen, erreichen wir Cachi schon Mitte Nachmittag. Schon einige Kilometer vor Cachi sehen wir im Hintergrund den ueber 6000 m hohen Hausberg dieses Ortes namens Nevado de Cachi.
   
Einfahrt in Cachi mit Sicht auf den Nevado de Cachi (6380 m.ue.M.)
Auch in Argentinien hatten wir bisher viele Erlebnisse von Hilfsbereitschaft durch die Einheimischen. So haelt zum Beispiel heute, als wir am Wegrand halbliegend picknicken, ein Jeep-Fahrer neben uns und fragt, ob alles in Ordnung sei.
In Cachi angekommen treffen wir auf eine Seniorenreisegruppe aus Buenos Aires, die uns gleich in Beschlag nimmt. Die aelteren Damen und Herren loechern uns mit Fragen, wollen mit uns Photos schiessen und empfehlen uns den Chivito der benachbarten Gartenbeiz, die sie eben verlassen haben. Wir finden ueber die Preisliste der Touristen-Information ein guenstiges Hotel und gehen nach Zimmerbezug in eine Einheimischenknelle essen. Der Fernseher laeuft ununterbrochen und nur ein Thema interessiert: Eine der renommiertesten Fussballmannschaften Argentiniens namens "River Plate" ist in die Nationalliga B abgestiegen, was fuer die einen Weltuntergang und fuer die anderen Fest des Jahrhunderts bedeutet. Es verwundert daher nicht, dass am Fernsehen blutige Koepfe von den resultierenden Krawallen gezeigt werden.

Bei der Abfahrt am naechsten Morgen misst mein Thermometer die Rekordminustemperatur von -5ºC . Nachdem wir in Payogasta Tortillas fuers Gipfelfruehstueck gekauft haben, ruesten wir noch kleidermaessig etwas auf und nehmen den Pass in Angriff.

Nach einer langen Gerade mit einer Steigung von nur 3% schlaengelt sich die Strasse den Berg hinauf. Der Himmel ist klar und der Ausblick auf die umliegenden Berge wie im Bilderbuch. Die Strasse ist von Kakteen gesaeumt.

Auf 2900 m.ue.M. sehen wir tatsaechlich noch ein kleines Bauerngut mit Maisfeld vor der Tuere.
 
Maisanbau auf 2900 m.ue.M. (links unten)
Etwas nachher entdecke ich an der Felswand ein "Willkommen..." mit weissen Steinen geschrieben.
Die bekannte "Recta Tin Tin" ist eine beeindruckend lange Gerade von 14 km auf einer Hoehe von fast 3000 m.ue.M. . Zu unserer Linken liegt ein ganzes Feld von Kakteen.




Auf der Recta Tin Tin hat's zum ersten Mal heute etwas Gegenwind, was aber in der gegebenen Staerke nicht gross stoert. Als wir mit fast 30 Stundenkilometern ueber den Asphalt brettern, stoeren wir einen Esel, der eben mitten auf der Strasse seine Partnerin begatten will. Etwas verstoert verzieht sich der Eseltross.


Nach der Recta Tin Tin schlaengelt die Strasse wieder und schon nach der ersten Kurve bietet sich vom Aussichtspunkt "Mirador Vista del Condor" ein grandioser Blick ueber die Zwischenebene mit der Recta Tin Tin.


Auf der Hoehe von etwa 3300 m.ue.M. picknicken wir, da wir wegen der Anstrengung in der duennen Hoehenluft eine Pause brauchen und es wohl auf dem Gipfel selbst sowieso zuviel Wind fuer ein gemuetliches Paeuschen hat.

Nach nochmals einer Gerade schlaengelt die Strasse erneut und der Gipfel kommt und kommt einfach nicht.

Ob Blick nach vorne oder hinten: Eine Strasse wie ein gespanntes Seil 
Mit den Kilometerangaben ist es so eine Sache. Die Verkehrsschilder wiedersprechen sich haeufig, weshalb wir uns in der Regel lieber auf unsere Karte verlassen, welche nicht sehr praezise, aber doch meist nicht allzu falsche Angaben liefert.

Als wir endlich auf dem Gipfel beim Piedra del Molino angekommen sind, erwartet uns nach ein paar Gipfelphotos die langersehnte Abfahrt von 3457 m.ue.M. bis runter auf etwa 1100 m.ue.M. . Die ersten Kilometer bereiten am meisten Spass, da sie asphaltiert sind.



Der unasphaltierte Teil nimmt dann einiges an Konzentration in Anspruch und die vorbeifahrenden (allerdings wenigen) Fahrzeuge huellen uns in eine Staubwolke. An schattigen Stellen liegt sogar noch etwas Schnee und die Luft ist bitterkalt.


Sehr willkommen ist uns da ein Comedor am Strassenrand, wo wir uns an einem Kaffee waermen. Die Aussicht wird eigentlich trotz sinkender Meereshoehe beeindruckender, da wir jetzt die Cuesta del Obispo, ein Tal mit gruenen und orangen Felsen, durchfahren.

Ein Blick auf die Uhr belehrt uns, dass wir es heute nicht mehr zum naechsten Ort schaffen, was Campen in der Wildnis bedeutet. Die Dornbuesche neben der Strasse bieten optimalen Sichtschutz. Der einzige Wehrmutstropfen sind die Dornentriebe auf den potentiellen Zeltflaechen, die ich schliesslich mit der Saege meines Sackmessers wegschneide. Nach dem Eindunkeln zeigt sich der klare Sternenhimmel von seiner schoensten Seite. Einen Zeltplatz mitten in einer Landschaft von Kakteen und orangen Felsen ist schon was ganz Besonderes.


Die restlichen 70 km nach Salta spulen wir muehelos ab, da die Strecke fast gaenzlich geradeaus oder herunter fuehrt. In El Carril essen wir fuer sage und schreibe nur je 11 Peso ein Mittagessen mit Suppe - die Preisunterschiede bei Speisen sind auch innerhalb von Argentinien bedeutend.

In Salta finden wir unser vorreserviertes Hostel (ab 4. Juli ist Argentiniens Ferienanfang, zudem ist Salta einer der Austragungsorte des Copa America) dank "Footprint"-Guide ohne Probleme. Salta ist eine schoene Stadt mit vielen historischen Gebaeuden. Nachfolgend einige Impressionen...


Kirche San Francisco
Stadtpark San Martin
Bahn (Schweizer CWS-Produkt) auf den San Bernardo oberhalb Salta
Gebaeude des Mercado de Artesanía

Maerkte mit Souvenirs gibt es einige
Einkaufsmeile "Florida
Fuer uns steht in Salta die Erholung von den vergangenen Etappen an erster Stelle. Wegen Schneefaellen in der Hoehe ist noch nicht ganz klar, wie unsere Reise weitergehen wird. In Argentinien und den Nachbarlaendern gibt es aber so viel Schoenes und Spannendes zu sehen, dass wir uns fuer unsere Weiterreise keine Sorgen machen. Kann ein Plan nicht realisiert werden, so entstehen neue Moeglichkeiten, die man sich gar nie ertraeumt haette - Flexibilitaet und Spontanitaet gehoert zum Radreisen wie die Raeder zum Fahrrad.

Freitag, 1. Juli 2011

San Miguel de Tucumán - Monteros - Tafí del Valle - Amaichá del Valle - Cafayate

Berge wir kommen! Nach den Erholungs- und Erledigungstagen in Tucuman geht's nun weiter. Wir sind froh, wieder raus ins Gruene zu kommen. Endlich beginnt der gebirgigere Teil unserer Reise, auf den wir uns schon lange gefreut haben.

Ausgangs Tucuman beginnt es zu regnen. Als wir uns die Muehe genommen haben, unsere Regensachen zu montieren, hoert der Regen wieder auf. Als wir uns entschliessen, die Sachen wieder abzuziehen, fallen schon wieder die ersten Tropfen vom Himmel - sehr unterhaltsam.

Etwas angenehmer als das wechselhafte Wetter ist der Zitronenduft, welcher uns auf dieser Etappe begleitet. In dieser Gegend werden plantagenweise Zitronen angebaut. Wir fahren auch an einer Fruchtsaftfabrik vorbei.

Zitronenplantage im Nebel
In einem Tankstellenrestaurant essen wir Pastel de Maiz zu Mittag. Eigentlich waere dort auch gleich die Abzweigung nach Tafi del Valle. Da wir aber heute nicht zelten wollen und es in diesem Ort keine Uebernachtungsmoeglichkeiten gibt, fahren wir weiter nach Monteros, wo wir in einem sehr einfachen Hotel names "El Tigre" uebernachten. Es wird von einer spanischstaemmigen Familie gefuehrt, welche uns netterweise sogar fuer unsere Velos ein Zusatzzimmer mit Verbindungstuere zur Verfuegung stellt. Wir haben uns fuer den Aufenthalt in Hotels/Hostels angewoehnt, unser Velo nach Moeglichkeit ins Zimmer zu nehmen oder mindestens in unmittelbarer Naehe zu haben. Dies mag einigen uebertrieben scheinen, aber ohne Velo faehrt sich's eben schlecht und wir haben diesbezueglich schon von mehreren Negativerlebnissen gehoert.
Am naechsten Morgen faellt das Aufstehen nicht leicht, da sich ein erster Blick aus dem Fenster im kuehlen Grau der Nebelwand verliert.

Wenigstens kein Regen...
Etwa die ersten 20 km fahren wir im Nebel, bis wir so hoch sind, dass wir die Nebeldecke durchstossen und sich ueber uns der blaue Himmel oeffnet. Welch ein befreiender Anblick! Die Landschaft ist herrlich schoen und die Pflanzenvielfalt ist grossartig.
Vorher...

...nachher
Obwohl die Steigung der Passstrasse durchschnittlich kaum mehr als schaetzungsweise 5-7% betraegt, spueren wir sie in unseren Beinen. Wir haben zwar schon ueber 4000 km in den Beinen, dies aber fast ausschliesslich im Flachland - es ist einfach ein anderes Fahren.

Passstrasse schlaengelt anfangs durch bewaldetes Terrain
Wie meistens schiesse ich auch heute Unmengen von Photos. Es ist jeweils nicht einfach, einen geeigneten Vordergrund fuer die Photos zu finden. Vielfach muessen Katja, mein Velo oder irgendein Verkehrsschild hinhalten.
Auf einem flacheren Zwischenstueck werden wir auf einmal von Seitenboen ueberrascht. Der Wind ist so stark, dass wir absteigen muessen. Von einer Boe im falschen Moment zur Strassenmitte gedraengt zu werden kann eine gefaehrliche Sache sein.
Nachdem wir gegen Abend endlich die Waldgrenze passiert haben, erreichen wir nach einigen Kilometern eine Tankstelle, neben der ein Spezialitaetenhaeuschen steht. Wir amuesieren uns koestlich, als wir das Schild "Queso Gruyère" lesen - wohnen wir doch im Kanton Fribourg. Katja als gebuertige Fribourgerin kann es sich natuerlich nicht verkneifen, nach dem Ursprung dieses Namens zu fragen und ob wir etwas davon kaufen koennten. Leider ist der Gruyère nicht alle Tage erhaeltlich, so auch heute nicht. Naeheres zum Namen des Kaeses kann uns der Verkaeufer nicht sagen.

Wer findet den Gruyère-Kaese?
Als wir um den naechsten Huegel fahren, eroeffnet sich uns eine bilderbuchmaessige Abendstimmung mit Blick auf Berge, See und Doerfer. Dieser Anblick hilft uns, unsere Kraefte nochmals fuer die Schlussgerade zu sammeln.

Schlussgerade vor Tafi del Valle in Abendstimmung
Wir nehmen das erstbeste Hotel, welches wir sehen. Dass dessen Preis leicht ueber dem gewuenschten liegt und das Hotel dafuer nicht mal viel bietet, ist uns zu dem Zeitpunkt egal...wir haben uns jetzt eine heisse Dusche und einen feinen Znacht verdient.
Wir entschliessen uns, nach dieser ersten Gebirgsetappe einen Pausentag einzuschalten. Immerhin haben wir etwas ueber 1700 Hoehenmeter ueberwunden und unsere Beine fuehlen sich an wie aus Stein gemeisselt. Wenn ein Tag auch nicht fuer die vollstaendige Erholung reicht, so reicht er immerhin, um nachher den Paso "El Infiernillo" (3042m.ue.M.) in Angriff zu nehmen.

Am naechsten Reisetag muessen wir uns von Tafi del Valle aus wieder zuerst aus der Nebeldecke herauskaempfen.

Der Nebeldecke entronnen

Nach unserem Informationsstand muesste der ganze Pass asphaltiert sein. Unsere Enttaeuschung, als der Asphalt ploetzlich aufhoert erstaunt also nicht. Gluecklicherweise handelt es sich nur um ein Teilstueck, welches erneuert wird. Davon folgen dann noch mehrere - mit der Aussicht darauf, dass der Asphalt wiederkommt ist dies aber natuerlich nur noch halb so wild.

Auch auf Asphalt ist die Steigung nahrhaft
Etwas Auflockerung bringt das Photoshooting mit einer Lama-Herde.


Wir hatten gehofft, auf Passhoehe ein Café vorzufinden. Die Einheimischen haben es aber leider bevorzugt, ihre Souvenirs anzupreisen anstatt des heissersehnten Kaffees.

In dieser Gegend kommt gegen Mittag meist ein starker Wind auf. Aehnlich wie bei den Windboeen vor Tafi del Valle empfangen uns auch auf dem Infiernillo unglaublich starke Winde. Dies hat zur Folge, dass wir unsere Fahrraeder die ersten 100m der wohlverdienten Passabfahrt stossen muessen, da der Wind bei weitem staerker ist als die Schwerkraft.


Auch als wir wieder aufsteigen koennen, muessen wir trotz Gefaelle stark in die Pedalen treten. Durch den starken Wind wird eine grosse Menge Sand aufgewirbelt, welchen es uns ins Gesicht blaest - wir kommen uns vor wie sandgestrahlt. Wieder einmal sind wir froh, gut ausgeruestet zu sein. In diesem Fall hilft uns die Mammut-Windstopper-"Ganovenkappe", die zusammen mit der Sonnenbrille das Gesicht fast vollstaendig abdeckt und dank Luftloechern die Atmung trotzdem zulaest.
Nach den ersten etwa 20 Kilometern Abfahrt werden die Verhaeltnisse dann besser und wir koennen das Gefaelle endlich in vollen Zuegen geniessen. Die Landschaft ist herrlich. Einerseits die zahlreichen Kakteen, die wie Zinnsoldaten in der Landschaft stehen und einen Kontrast zum kargen Boden bieten, dazu die Sicht ins noch fern liegende Tal.


Wegen dem aufgwirbeltem Sand laesst sich die Talsicht leider nicht angemessen photographisch festhalten.


Als wir nach einer Schussfahrt endlich am Tagesziel Amaicha del Valle ankommen, empfaengt uns am Ortseingang ein Schild mit der Inschrift "Willkommen im besten Klima der Welt - Gemeinde Amaicha del Valle". Ich kann mir ein Laecheln nicht verkneifen, als ich zu Katja zurueckblicke um sie auf das Schild hinzuweisen und man hinter ihr wegen vom Wind aufgewirbelten Sandwolken nicht sehr viel erkennen kann. Naja, das Wort Klima bezieht sich ja nicht auf den Sandgehalt der Luft.

Nein, das ist kein Nebel hinter Katja...
Eingangs Amaicha finden wir einen gutausgeruesteten Zeltplatz, wo wir uns nach dem Errichten des Zeltes gleich mal den Sand vom Koerper duschen.
Am naechsten Morgen geht's wieder vor Morgengrauen los. Nach Kaffee und Tortilla im naechsten Tankstellencafé nehmen wir die Ruinen von Quilmes ins Visier. Dort angekommen entrichten wir an einer Eingangspforte je 10 Peso Eintrittsgebuehr, in der auch gleich der Guide inbegriffen ist.

Ruinen von Quilmes


Nach einer Phototour durch die Ruinen wollen wir uns gerade zum Znueni Toastscheiben mit Dulce de Leche bestreichen, als die deutschen Tourenfahrer Martin und Diana mit ihren Velos vorfahren.

Groessenvergleich
Wir haben sie in Buenos Aires kennengelernt und seither nicht mehr gesehen. Wir staunen deshalb nicht schlecht ueber dieses Wiedersehen. Ihren Kommentar auf unserem Blog sehen wir erst spaeter. Wir warten, bis sie die Ruinen auch gesehen haben und fahren dann mit ihnen als Viererkarawane weiter. Am Tagesziel Cafayate angekommen beziehen wir je ein Doppelzimmer im wegen Nebensaison preisguenstigen Hostal del Angel und gehen zusammen essen.

Ankunft in Cafayate mit Martin & Diana
In Cafayate goennen wir uns zwei Ruhetage, von denen wir einen halben Tag mit einer Gruppe per Bus zu den Quebradas reisen.






Die meisten Felsen der Quebradas sind orange, die verschiedenen Schichtungen weisen aber bis sieben verschiedene Farben auf. Die Farben haben ihren Ursprung unter anderem in oxidiertem und nichtoxidiertem Eisen.

Einmal mit Bus und zu Fuss unterwegs
Die Felsen haben teilweise lustige Formen wie jene eines Kroeten-Koerpers (span. sapo) oder jene eines betenden Moenchs (span. monje). Sehr imposant ist auch das sogenannte Amphitheater, eine Felsformation mit zylinderfoermiger Oeffnung und einem seitlichen Zugangsschlitz. Ein Einheimischer zeigt uns eindrucksvoll abwechslungsweise mit Gitarre und Floete, dass dieses geologische Gebilde beinahe die akkustischen Eigenschaften eines Konzertsaales besitzt.

Amphitheater
Am letzten Abend hoeren wir auf der Strasse Laerm wie bei einer Demonstration - komisch nur, dass die Parolen-Schreier Kinder und Jugendliche sind. Sie tragen grosse Trommeln, halten vor den Haeusern und rufen im Chor irgendwelche Sprueche. Wir werden spaeter aufgeklaert, dass dies Teil der Festlichkeiten des "San Juan & San Pedro" ist.

In Cafayate widmen wir uns auch mal etwas der kulinarischen Vielfalt der Gegend. Cafayate ist bekannt fuer guten Wein. Am letzten Abend trinken wir zum fast gaenzlich fettfreien Lamafleisch eine Flasche Malbec, der dem guten Namen der Kellereien von Cafayate alle Ehre macht. Sowohl Weiss- wie auch Rotwein gibt's hier auch als Eissorte zu geniessen - koestlich!

kfgosouth-Speise-Model praesentiert Wein-Eis
Fuer einmal ohne Model: Spezialitaet Lama-Fleisch
Weinreben vor Cafayate
Kirche von Cafayate