Mittwoch, 28. September 2011

Einige Fakten zur Reise

Total: 7830 Kilometer und 50'030 Hoehenmeter



























Veloreisedistanz / 3 Dinge, welche uns zu den Reiselaendern spontan einfallen:

Brasilien: 1910km
- auffaellig viele aufgestellte, offene und hilfsbereite Menschen
- ueberall sehr gute Fruehstuecksbuffets
- zahlreiche Trucks und vielerorts starker Verkehr

Uruguay: 644km 
- ausgezeichnete Patisserie
- Matetee-Ritual auf der Strasse
- Gauchos

Argentinien: 2410km
- Fleisch, Fleisch, Fleisch...
- Dulce de Leche
- Spanische Aussprache hebt sich ab von den anderen Laendern
  
Bolivien: 1107km
- naturbelassene Berglandschaften mit schwierigen Produktionsbedingungen 
- Standardmenu: Suppe, Reis, Kartoffeln und Poulet
- billig

Peru: 1759km
- Incafarma, Incapower, Incakola, Inca....
- abrupter Klimawechsel
- Machu Picchu


Und zum Schluss noch ein Vorher/Nachher-Foto:








Kartenansicht Route Peru

Paracas - Cerro Azul - San Bartolo - Lima


Hauptplatz von Pisco
Nach einem ausgiebigen Fruehstueck starten wir zur letzten Etappe von nur noch etwa 250km nach Lima. Bereits nach 20km passieren wir Pisco, ein kleine Stadt, deren Namen der beruehmte peruanische Drink Pisco Sour traegt. Es ist jedoch noch zu frueh am Tag, um sich einen zu goennen.

Die ganze Strecke nach Lima fuehrt ueber die Panamericana, welche  im Wuestengebiet parallel zur Kueste verlaeuft. Es sind noch einige kleine Huegel zu bewaeltigen. Das letzte Mal verbringen wir eine Nacht in einem kleinen Provinzstaedtchen.


Heute haben wir das Ziel, moeglichst nahe an der Stadtgrenze von Lima zu uebernachten, damit wir dann morgen genug Zeit fuer die Einfahrt in die Grossstadt haben. 50km vor Lima folgt dann ein Strandort dem anderen. Im Moment ist jedoch Nebensaion, weshalb viele Uebernachtungsmoeglichkeiten geschlossen sind. Wir haben Glueck und finden in San Bartolo ein angenehmes und guenstiges Hostal.

Keine Angst...der Hühnerfuss ist nur Geschmacksgeber
Beginn der Provinz Lima
8 Spuren mit Autos...2 Spuren mit Autobussen...wer findet Katja?
Bisher haben wir wenig Gutes ueber Lima gehoert. Es gaebe nicht viel zu sehen und das Wetter sei trostlos. Es sei gefaehrlich...
Nebst dem Einkaufen besuchen wir einige Quartiere und Lima gefaellt uns gar nicht so schlecht. Das Zentrum hat einiges an schoenen Kirchen und Plaetzen zu bieten. Zudem haben wir Glueck, dass beim Fruehlingswetter die Sonne praktisch jeden Nachmittag zum Vorschein kommt, was natuerlich die Stadt in einem anderen Licht erscheinen laesst. 

Kathedrale, Aussensicht
Kathedrale. Altar
Kathedrale, Hauptschiff
Plaza de Armas

Naturhistorisches Museum
Da Hupen hier wichtiger sind als Bremsen...




Am Sonntagabend besuchen wir den Parque de la Reserva mit seinen 13 Springbrunnen. Die maerchenhafte Stimmung wird durch eine Lichtshow untermalt, bei der nebst Laserbildern auch Filme in die Wasserstrahlen projeziert werden.









Mittwoch, 21. September 2011

Nasca - Ica - Paracas

Kurz nach Nasca besichtigen wir die Nasca Lines. Dies sind verschiedene riesige Erdzeichnungen in der Wueste. Man kann einen Flug buchen, um all diese Zeichnungen zu sehen. Wir haben lediglich den Aussichtsturm besucht, von dem aus man den Baum und die Hand sieht. 

Nasca Lines: die Hand
Unsere Reise fuehrt uns an zahlreichen Orangen- und Baumwollplantagen vorbei.
Baumwolle

Alle paar Meter kriegt man am Strassenrand fuer nur 50 Rp.ein Glas frischgepressten Orangensaft. Dies lassen wir uns natuerlich nicht entgehen.


Nach einem kleinen Pass fuehrt die Strecke 50km gerade durch  die Wueste. Ausnahmsweise sind wir nicht nur ungluecklich ueber den starken Gegen- und Seitenwind, da dieser die unglaubliche Hitze etwas ertraeglicher macht. Trotzdem muessen wir uns bezueglich Schatten waehrend den Pausen etwas einfallen lassen.

Katja zwischen den Velos, als Schattenspender dient unsere Blache


Die Etappe ist laenger als erwartet, weshalb wir Ica erschoepft nach 155km erst um 19.30Uhr erreichen. Gluecklicherweise gibt uns die Receptionistin eines teuren Hotels einen Tip fuer ein schoenes und preiswertes Hostel, wo wir uns bei Ankunft sofort wohl fuehlen.
Nur 5km von Ica entfernt liegt die Oase Huacachina. Es ist fast nicht vorstellbar. Man sitzt in einem Taxi in einer Stadt mit 160'000 Einwohnern und nur 5 Minuten spaeter befindet man sich in einer Oase, umgeben von riesigen Duenen.



Blick auf Ica
Buggyfahren und Sandboarding sind dort der grosse Renner. Da diese Aktivitaeten viel Spass versprechen, beschliessen wir, dies ebenfalls auszuprobieren.  Die Frau, welche hinter mir im Buggy sitzt, hat sich wohl eine gemuetliche Spazierfahrt durch die Wueste vorgestellt und steigt nach dem ersten Kilometer und ohrenbetaeubendem Geschrei mit ihrem Freund aus. Der Buggy flitzt wie ein Rollercoaster des Europaparks durch die Duenen. Es wird immer wieder angehalten, damit wir mit einem Sandboard die Duenen runterfahren koennen.





Ica ist das Weinzentrum von Peru, weshalb wir beim Verlassen der Stadt tausende von Rebstoecken zu sehen bekommen. Anscheinend gedeihen Weinreben bei der entsprechenden Bewaesserung im Wuestenklima vorzueglich.
Heute ist unser Ziel Paracas, ein kleiner Badeort am Pazifik. Damit gelangen wir vom Atlantik kommend das erste Mal an den Pazifik. Zum Baden im Meer ist das Wasser noch zu kalt, trotzdem geniessen wir noch fuer ein paar Tage das warme Wetter. In Lima erwartet uns in dieser Jahreszeit nebliges Wetter.

Pelikane am Strand von Paracas
Von Paracas unternehmen wir einen Ausflug zu den Ballestas-Inseln. Diese werden von unzaehligen Voegeln, unter anderem auch Pinguinen, und Seeloewen bevoelkert. Bei der Hinfahrt sehen wir den beruehmte Erdzeichung Candelabra.

Candelabra





Sonnenuntergang in Paracas

Dienstag, 13. September 2011

Cusco - Limatamba - Occoruro - ? - nach Chalhuanca - vor Abra Huashuaccasa - nach Negromayo - Pejae Pampa Galeras - Nasca

Mit viel Esswaren und gut erholt starten wir in Cusco fuer einen weiteren Hoehepunkt unserer Reise -  der Andenueberquerung. Die Strecke von 650km fuehrt ueber 5 Paesse sowie durch verschiedene Klimazonen.
  
Da Cusco bereits auf 3400m ueber Meer liegt, bereitet uns der erste Pass Abra Huillque (3715 m) kein Kopfzerbrechen. Lustigerweise treffen wir heute gleich auf zwei entgegenkommende Liegevelo-Tourenfahrer - zuerst auf einen Aargauer, spaeter auf einen Franzosen. Wir plaudern und tauschen Informationen ueber die bevorliegenden Strecken aus. Kurz vor dem Eindunkeln erreichen wir die Passhoehe und koennen einige Hoehenmeter bis nach Limatamba runterfahren, wo wir uns in einem Hospedaje einquartieren. Die Nacht ist angenehm warm, doch plagen uns Moskitos und Sandfliegen. Die Stiche der Sandfliegen sind noch schlimmer als jene der Moskitos. Sie schmerzen einige Tage und der Anti-Insektenspray nuetzt leider gar nichts.


Am zweiten Tag geht die Abfahrt weiter bis auf ca. 1800m ueber Meer, bevor die Strasse sofort wieder ansteigt zum zweiten Pass Abra Sollaca (4000m).


Unendlich lang schlaengelt sich die Strasse den Berg rauf. 


Da wir uns nun in einer anderen Klimazone befinden, wird es sehr heiss - bis 43 Grad. Da wir aufwaerts fahren, kuehlt uns auch kein Fahrtwind. Zudem hat es praktisch keine Schattenstellen. Wir muessen fuer die Pausen den Schatten regelrecht suchen.



Mittlerweile ertrage ich die Hitze schlecht, dafuer friere ich viel weniger als frueher. Felix und ich haben die Rollen getauscht. Vor der Reise war es gerade umgekehrt: Waehrend Felix sich oft ueber Hitze beschwert hat, habe ich oft gefroren. Nun scheint er nichts von dieser Hitze zu spueren, waehrend ich zur Abhilfe mein T-Shirt und die Baseball-Muetze unter meinem Helm mit Wasser traenke. Heute erreichen wir die Passhoehe nicht mehr - es fehlen noch 18km. Wir fragen in Occoruro beim Puesto de Salud nach, ob wir hinter dem Haus unser Zelt aufstellen duerfen.
Am naechsten Tag erreichen wir den Gipfel bereits um 9.30Uhr. An diesem Morgen ist es ziemlich neblig, nach der Hitze vom Vortag willkommen angenehm. 


Anschliessend folgt eine 30km-Abfahrt nach Abancy, wo Felix fuer seine Bewerbungen noch schnell das Internet nutzt und wo wir spaeter zu Mittag essen. Danach geht es mindestens weitere 10km abwaerts, bis runter auf 1880m. Die Sonne setzt sich durch und es wird wieder heiss. Die Strecke fuehrt leicht aufwaerts an einem Flusstal entlang, zudem ist der Wind uns gut gesinnt und kommt von hinten.



Am Abend finden wir eine idyllischen Platz zum Zelten. Bei angenehmer Temperatur kochen wir unser Abendessen und geniessen den klaren Sternenhimmel. In dieser Nacht reichen uns die Seidenschlafsaecke.

Auch am dritten Tag fuehrt die Strasse weiterhin mit einer angenehmen Steigung dem Flusstal entlang. Nach 20km stellt Felix mit Schrecken fest, dass er seine langen Windblockerhosen verloren hat, welche er bei der letzten Pause auf dem Gepaecktraeger festgezurrt hatte. Er faehrt zurueck, waehrend ich warte, und findet sie gluecklicherweise wieder. Auch diese Nacht ist angenehm warm.

Am vierten Tag starten wir bereits um 6.15Uhr, um moeglichst viele Kilometer vor der grossen Hitze zuruecklegen zu koennen. Die Strasse fuehrt weg vom Flusstal und beginnt staerker anzusteigen - genau wie die Hitze. Erst bei 4100m ueber Meer ist es nicht mehr heiss, dafuer schlaegt uns ein starker Wind entgegen. Obwohl es nicht regnet, erblicken wir Regenbogen um die Sonne - so etwas haben wir noch nie gesehen.


Als ich bereits nahe am Ende meiner Kraefte bin, erreichen wir ein Dorf - allerdings leider nicht jenes, welches wir gemaess Karte erwartet hatten.
Felix fragt einen alten Mann, wie lange die Fahrt zum gesuchten Dorf noch dauere. Mit einem Laecheln meint er: "5 Minuten", was sich schliesslich als schlechter Witz herausstellt. Das Dorf finden wir nicht und die Strasse steigt immer weiter an. Wir uebernachten schliesslich auf 4300m ueber Meer. Waehrend wir am Nachmittag fast in der Hitze lebendig grilliert wurden, frieren wir jetzt fast unsere Nasen ab. Am Morgen ist die Wasserflasche, welche wir ins Innenzelt genommen haben, wieder einmal gefroren.
Gemaess Karte sollte die Passhoehe auf 4300m liegen, doch die Strasse steigt auch bei der Weiterfahrt am fuenften Tag weiter an. Als wir sie endlich erreicht haben, zeigen unsere beiden Hoehenmesser 4550m ueber Meer an. Nun liegt eine huegelige Hochebene mit Lagunenseen vor uns. Wir sehen Flamingos, Lamas und Hasen. Die Landschaft ist karg und fuer unser Auge ungewohnt. Deshalb erscheint sie uns reizvoll.






Wieder einmal geht uns der starke Wind gehoerig auf die Nerven. Am Mittag sehen wir ein Restaurant und entscheiden uns fuer das Mittagsmenu. Bereits als wir das Haus betreten, riecht es wie an einer Tankstelle. Dies kommt daher, dass die Wirtin neben Esswaren und Getraenk auch noch Benzin verkauft, und dieses in der Gaststube lagert. Nachdem wir im selben Raum noch halbvergammeltes Fleisch entdecken und uns die Frau fragt, ob wir Fisch oder Eier wollen, toent es wie aus einem Munde: " Ei!". Sie will uns dann jedoch unbedingt den Fisch andrehen, geht zum vergammelten Fleisch, nimmt daneben einen Eimer mit Fischen hervor und planscht mit ihren dreckigen Fingern darin herum. Felix und ich sehen uns an und ergreifen die Flucht. Nach einigen Kilometern kochen wir im windgeschuetzten Strassengraben Reis.


Herausforderung: Austreten im Wind...
Die eisige Nacht verbringen wir in der Naehe einer Lagune.


Am Morgen des siebten Tages ist das Zelt mit Eiskristallen belegt.


Mit den ersten Sonnenstrahlen fahren wir weiter zur naechsten Passhoehe auf 4100m, bevor wir runter nach Puquio auf etwa 3200m radeln. Bei der Einfahrt in die Stadt treffen wir auf verkleidete Kinder, welche nach Suessigkeiten und Geld fragen. Was genau der Anlass des Festes ist, haben wir nicht in Erfahrung gebracht.


Im Stadtinnern nuetzen wir kurz das Internet und bestellen uns eine Pizza, welche mit Ketchup anstatt mit Tomatenpuree bestrichen ist. Der folgende Anstieg bis auf 3600m wird gefolgt von einer Abfahrt auf 3000m. Wir haben heute bereits 90km zurueckgelegt und uns steht noch der letzte Pass Abra Condorcenca (4390m) bevor. Motiviert nehmen wir vor dem Eindunkeln noch einen ersten Abschnitt in Angriff.


Wir duerfen beim Strassengebuehrposten Pampa Galera auf 3500m uebernachten. Da es dort noch ein Restaurant hat, welches eine Tagessuppe anbietet, essen wir diese mit Heisshunger. In der Nacht kriege ich leichte Bauchkraempfe und muss das Zelt bei der Kaelte einige Male fluchtartig verlassen.

Am Morgen des achten Tages geht es mir zum Glueck besser, dafuer hat Felix Gliederschmerzen. Es fehlen nur noch etwa 10km Aufstieg bis zum Nationalpark Pampa Galera, welcher bekannt ist fuer Vicuñas, bevor wir gluecklich den letzten Gipfel erreichen.




Vicuñas
Wir freuen uns, nun die 100km lange Abfahrt mit 3800 Metern Hoehenunterschied zur Wuestenstadt Nasca in Angriff nehmen zu koennen. Die Aussicht ist umwerfend. Von weitem sehen wir sogar schon den Pazifik. Da wir starken Gegenwind haben, brauchen wir praktisch nie zu bremsen und koennen die Aussicht auf die Wuestenlandschaft um Nasca bewundern.

Wunderschoene Aussicht, Blick auf Sandduene


Geoglyphen von Nasca

Nach der kargen Wuestenlandschaft erreichen wir gluecklich und geschafft Nasca, welches vor uns wie eine Oase erscheint.

Beginn von Nasca
Waehrend unserer Andenquerung sind wir einigen Unfaellen von Motorfahrzeugen begegnet. Eigentlich sind wir erstaunt, dass es beim hier ueblichen Fahrstil nur so wenige sind.